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30. November 2017 Regina Kittler

Debatte zum Reformationstag

Rede als Video

18. Sitzung, 30. November 2017

Regina Kittler (LINKE):

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Zwei Drittel bis drei Viertel der Berlinerinnen und Berliner sind konfessionslos, in der Regel Atheistinnen und Atheisten. Ich bin eine von ihnen, und ich lebe in einem Berlin, das damit sehr gelassen umgeht, so wie ich mit gläubigen Menschen gelassen umgehe, völlig unabhängig davon, welcher Religion sie anhängen. Der alte Geist von Laissez-faire – jeder nach seiner Fasson – hat sich durchgesetzt. Der Anteil der Protestantinnen und Protestanten, für die der Reformationstag eine hohe Bedeutung hat, liegt in Berlin bei etwa 20 Prozent. Er ist in den letzten Jahrzehnten gesunken und wird es weiter tun, denn der Anteil unter ihnen, der über 60 Jahre alt ist, beträgt 44 Prozent.

Nach Befragungen und Schätzungen ist davon auszugehen, dass etwa 12 Prozent derer, die Kirchensteuer bezahlen, gar nicht an Gott glauben. Wenn die AfD also meint, gerade in Berlin sei in der Gegenwart eine protestantische Prägung festzustellen, so sprechen die Zahlen für sich und einfach mal dagegen. Was hinter dem Antrag steckt, ist ja auch übersichtlich: Sie wollen mal wieder das angeblich christliche Abendland vor dem Untergang retten, und da wir diese Gefahr nicht sehen, werden wir den Antrag ablehnen.

Christliche Feiertage, die sich in der Geschichte zum Teil mit anderen Bräuchen verwoben haben, haben wir genug. Für die Mehrheit der Berliner Bevölkerung werden diese Tage genutzt, um sich Zeit für Freunde und Familie zu nehmen.

Ob wir genug Feiertage haben, ist ja die andere Frage. Herr Verrycken hat es schon angesprochen. Darüber haben wir im Parlament übrigens auch schon mehrfach diskutiert. Wenn die Menschen in den anderen Bundesländern mehr arbeitsfreie Zeit haben, dann sollten wir an anderer Stelle darüber reden und auch darüber, welche Anlässe ein Feiertag brauchte.  Ich würde z. B. den einen Vorschlag von Herrn Verrycken durchaus unterstützen: Machen wir den 8. Mai als Tag der Befreiung vom Faschismus zum Feiertag! Es ist an der Zeit – gerade auch im Blick hier nach rechtsaußen, denn Herr Laatsch hat das gerade heute wieder bestätigt.

Präsident Ralf Wieland:

Frau Kollegin! Gestatten Sie eine Zwischenfrage des Kollegen Trefzer?

Regina Kittler (LINKE):

Nein! – Denken wir über die schöne Idee nach, die gerade aus Thüringen gekommen ist, den 1. Juni, den Tag des Kindes, zum Feiertag zu machen! Dabei will ich es jetzt belassen. Herr Verrycken hat noch andere schöne und bedenkenswerte Vorschläge gemacht.