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19. August 2016 DIE LINKE im Abgeordnetenhaus

Alexanderplatz: Plan überzeugt nicht

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Sprecherin für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Katrin Lompscher, erklärt:

In fast fünf Jahren rot-schwarzer Regierungszeit ist es dem Senat nicht gelungen, für den Alexanderplatz einen Plan vorzulegen, der in der Stadt tatsächlich Konsens ist. So beinhaltet auch die kürzlich überarbeitete Anpassung zum Kollhoff-Plan von 1993 noch acht neue Hochhäuser, die aus Sicht der Fraktion DIE LINKE mehr Probleme schaffen als lösen.

Das hinter dem Warenhaus an der Karl-Liebknecht-Straße geplante Hochhaus ist wegen der Nähe zur Stadtbahntrasse nicht nur stadtgestalterisch problematisch. Dass aufgrund der räumlichen Enge Fuß- und Radwege in einer Arkade geführt werden sollen, ist angesichts der dortigen Frequenzen unzumutbar.

Mehr als fragwürdig ist der Plan, das ursprünglich an der Stelle des nun denkmalgeschützten Haus des Reisens geplante Hochhaus einfach nördlich direkt dahinter zu errichten. Damit wird nicht nur die Wirkung des Denkmals erheblich beeinträchtigt, auch das städtebauliche Konzept der Markierung des Platzes durch einen Hochhauskranz wird verlassen.

Das geplante Hochhaus neben dem Alexa droht in der stadtbedeutenden Achse Frankfurter Allee – Alexanderplatz, den Fernsehturm zu verdecken. Der neue Plan, es zu einem überwiegenden Wohngebäude zu machen, stellt zudem Fragen der bauordnungsrechtlichen Zulässigkeit und des Bedarfs an Wohnfolgeinfrastruktur.

Die Frage, wo angesichts des Baus tausender neuer Wohnungen am Alexanderplatz eine neue Schule, Kitas und Spielplätze entstehen sollen, sehen wir bislang überhaupt nicht beantwortet, ebenso wenig die Frage, wo und wie in den Neubauprojekten preiswerte und nicht nur Luxuswohnungen entstehen sollen. Dass vom Erhalt des WBM-Wohnhauses in der Memhardstraße ausgegangen wird, ist gut, da es absurd wäre, vorhandenen preiswerten Wohnraum im Zentrum abzureißen, aber nicht ausreichend.

Auch unter diesem Gesichtspunkt ist das Festhalten am Abriss des Hauses der Statistik aus städtebaulichen Gründen nicht nachvollziehbar. Umso weniger, da die Initiative für die Wiederherrichtung des Hauses für verschiedene Nutzungen sogar einen vom Senat ausgelobten Preis erhalten hat und auch eine künftige Nutzung als Verwaltungsstandort durch den Senat geprüft wird.

Aus Sicht der Linksfraktion, ist es an der an der Zeit, am Alexanderplatz endlich auf unverträgliche Hochhausstandorte zu verzichten, die Baudenkmale besser zu präsentieren und konkrete Maßnahmen zur Verbesserung des öffentlichen Raumes wie Gestaltung der kleinen Plätze zum Beispiel vor dem Haus des Berliner Verlages und vor dem Haus der Statistik im Übergang zu den benachbarten Quartieren in Angriff zu nehmen.

Dafür braucht es einen Masterplan, der diesen Namen auch verdient. Außerdem sollten, ohne weitere Zeit verstreichen zu lassen, Entstellungen an den Baudenkmalen beseitigen werden. Die Fraktion DIE LINKE fordert erneut, den durch Werbung verdeckten Fries von Willi Neubert mit Darstellungen zur Presse am Haus des Berliner Verlages endlich freizulegen.

Kommentare

3. Februar 2017, 12:00 Uhr Bjoern Neumann

Es gibt nichts weiter zu Basteln oder zu verändern ! Es gilt nun ENDLICH Beschlüsse umzusetzen. Und das so, wie es mit Bürgerbeteiligung beschlossen wurde. Die Festlegung der Planung am Alexanderplatz:
Berlin Senat, Drucksachen Nrn. 17/1507, 17/1596 & 17/2411 - Schlussbericht.
Das Abgeordnetenhaus hat in seiner Sitzung am 08. Mai 2014 Folgendes beschlossen:
- Der Alexanderplatz bleibt Hochhausstandort. Die Standortentwicklung soll mit 9 Turmhochhäusern fortgeführt werden (Mischnutzung) Die Planungen zum „Hines“ Hochhausturm (neben „Saturn“) & „MonArch“ (vor „Alexa“) bleiben unberührt. Im Verfahren wurde die Höhe des Neubaus diskutiert, VARIANTEN MIT EINER HÖHE DEUTLICH
UNTERHALB VON 150 m KONNTEN NICHT ÜBERZEUGEN. (Anmerkung: z.B. die 120 oder 125m. Das sollte Frau Lompscher ENDLICH zur Kenntnis nehmen. Ihre alleinige Meinung ist hier nicht gefragt!) Mit Ende der Ausstellung und der Möglichkeit der Onlinebeteiligung am 22.11.2015 wurde das Beteiligungsverfahren abgeschlossen. Die Ergebnisse des Workshopverfahrens sollen in einer abschließenden Finissage ausgestellt werden.
Wir bitten, den Beschluss damit als erledigt anzusehen.
Der Senat von Berlin 07.06.2016, Unterz.: Michael Müller, Andreas Geisel

16. Januar 2017, 09:42 Uhr Sebastian Friedrich

Die Baupolitik von Frau Lompscher ist ein großes Unglück für Berlin! Es würde mich sehr freuen, wenn im Zuge der Krise "Holm" (deren Fürsprecher Frau Lompscher ist), die Linksfraktion aus der Regierungsbeteiligung in Berlin austritt. Dann bleibt dieser Stadt viel Unheil und DDR-Romatik erspart. Berlin muss sich erneuern und nicht in alten Denkstrukturen verharren, denn anderenfalls kann diese Stadt sich nicht mehr in Zukunft gegen stark investierende Städte (Paris, London, Warschau, Wien) bestehen. Somit: Ich hoffe auf ein sehr schnelles Ende von Rot-Rot-Grün. Danke!

12. Januar 2017, 21:03 Uhr Peter Bongartz

Leider wieder vier Jahre Stillstand und Verweigerung für einen optisch zukunftweisenden Stadtbau in Berlin. http://www.tagesspiegel.de/images/schinkelwettbewerb/1718596/2-format14.jpg Es bleibt somit nur zu hoffen, dass Frau Lompscher lediglich ein "Schluckauf" in der berliner Stadtplanung ist. Eine Stadtbauplanung, in einer aufstrebenden Weltstadt wie Berlin, die am Alex keine Hochhäuser bauen kann, weil sie das Verhältnis zur Fernsehturmkugel gewahrt wissen will, passt nicht ansatzweise in die moderne Zukunft Berlins. In der City West es gibt ernst zu nehmende Investoren, die es sehr gern den Hardenberg Tower (209m) realisieren würden. Doch Berlins Bauentscheider schlafen und verweigern. Faseln von angeblichen Hochhausfantasien. Schlafen seit fast 25 Jahren. Beim Alex hat man nach der Wende festgelegt, an welcher Stelle man zehn 150 Meter hohe, optisch den Platz erheblich verbessernde Türme hätte. Berlins Skyline inkl. Fernsehturm - es wäre ein Traum: Weil man jedoch hässlich DDR Bestandsgebäude aus Ostalgie unter Denkmalschutz stellte und diese kostspielig saniert wurden, stehen diese hässlichen Bauten nun den einstmals geplanten Landmarks (den 150m Hochhäusern) dauerhaft im Weg. Im letzten Jahr wurde per Bürgerworkshop eine Neuordnung dieses Masterplans festgelegt, in den ausdrücklich eine niedrigere Bauweise als 150m als ausdrücklich unpassend festgehalten wurde. Warum, wenn wir in einem demokratischen Staat leben, werden derartige Bürgerbeteiligungen bei der Überarbeitung des Masterplans von 1993 durch die Stadtbausenatorin der DIE LINKEN ignoriert. Warum wird durch DIE LINKEN fast autokratisch eine Maximalhöhe von 120m festgelegt, obwohl die Bürger von Berlin im Workshopverfahren ausdrücklich 150m wollen? Diese Art erinnert schon an DDR Zeiten, in der man den Willen des Volkes einfach ausblendete. Dabei sind Wolkenkratzer (Bauten ab >150m) ein unglaublich begehrter Typus, nicht nur in Asien oder den USA, sondern auch in Europa. Man muss hierzu nur nach Paris, London, Warschau oder Mailand schauen. Die Assoziation mit sozialen Brennpunkten ist hier längst überholt. Scheinbar ist dieser Weitblick in den Köpfen der DIE LINKEN angekommen. Hier träumt man lieber noch noch vom Fernsehturm und den DDR Bauten am Alex, die den Platz gerade seinen hässlich anmutenden "Charme" verleihen.
Das unter Berlin Bürger-Beteilgung erarbeitete Ergebnis des Workshopverfahren für den Alex wurde vom Berliner Senat am 07. Juni 2016 beschlossen und dem Abgeordnetenhaus am 10. Juni zur Kenntnisnahme zugeleitet. Die Dokumentation der beiden Phasen sowie den Senatsbeschluss: http://www.parlament-berlin.de/ados/17/IIIPlen/vorgang/d17-3015.pdf
Was sich nun Frau Lompscher mit Ihrer persönlichen und sehr scheinbaren Hochhaus Phobie über die Entscheidung der Berliner Bürger hinweg erlaupt, ist ZUTIEFST UNDEMOKRATISCH! Zumindest scheint für die kommenden vier Jahre die Realisierung des Estrel Towers, die des Hines und des Monarch Towers nicht mehr durch die Kleinstadtfantasien DER LINKEN in ihrer Realisierung gestoppt zu werden. Ein Glück für Berlin, wenn leider auch nur ein kleines. An DIE LINKEN:
Wo bleibt der Mut, die Perspektive für die moderne, zukunftsorientierte Stadt?! Bis jetzt nur eine Partei der Zukunftsverweigerer.

11. Dezember 2016, 20:17 Uhr Oliver Nordenfels

Sehr geehrte Frau Lopmpscher,
die DDR ist vorbei und die DDR-Disco-Kugel (auch Fernsehturm genannt) ist für die Ausstrahlung einer modernen Stadt keineswegs wichtig. Ich rate Ihnen dringend Urlaub in Tokio oder gar nur in Warschau zu machen. Dort weiß man sehr genau, wie moderner, nachhaltiger Städtebau aussieht. Warschau sieht schon heute moderner und fortschritlicher aus als Berlin. Das ständig die hässlichen DDR-Bauten am Alexanderplatz denkmalgeschützt werden, ist nicht mehr nachvollziehbar und völlig rückwärtsgewandt. Sie sind einfach nur hässlich und eine Erinnerung an eine graue, dunkle Zeit Berlins. Niemand will diese Zeit wieder haben oder daran erinnert werden. Es fehlt, einfach an einem wirklichen Macher, wie Herrn Kollhoff, den man sich eigentlich in Ihrer Position als Bauherren von Berlin wünscht. Dann hätte Berlin endlich die Chance eine moderne Metroploe der Neuzeit zu werden und nicht im Grau der Vergangenheit oder dem ewigen Provinzdenken zu stagnieren. Gerade der Alexanderplatz ist ein Ort für einen Hochhausklaster >200m. Und vergessen Sie bitte diese Discokugel....es ist nur ein alter Funkturm - mehr aber auch nicht! Und wirklich schön ist diese Botonnade auch nicht. Geben Sie Berlin eine Chance sich modern zu zeitgeäß zu entwickeln. Bauen Sie Wolkenkratzer am Alex, so wie Ihn der Könner Kollhoff entwickelt hat.

18. November 2016, 08:14 Uhr Steffen

Liebe Frau Lompscher,

Ich bitte Sie hier inständig Ihre Antipathie gegenüber den Hochhausprojekten abzulegen.
Ihre Argumente dagegen erscheinen mir eher von Ostalgie und einer längst vergangenen Ideologie angetrieben. Wie kann ein 170 m hohes Gebäude den über 300 m hohen Fernsehturm verdecken?? Das ist in sich nicht logisch und nicht nachvollziehbar. Ich nehme an Sie haben einst aus vollem Herzen "... und der Zukunft zugewandt" gesungen und glauben leider immer noch dieses Vergangene retten zu können. Aber dann wenden Sie sich wenigstens der Zukunft zu und verhindern nicht selbige! Sie müssen Baupolitik für die die Berliner machen und nicht für die Linken! Alle können nur auf ihre Vernunft hoffen...

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