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4. Mai 2017 Regina Kittler

Sprachliche Vielfalt in Berlin als Reichtum begreifen und im Unterricht weiterentwickeln!

 

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10. Sitzung, 4. Mai 2017

Aus dem Vorabwortprotokoll:

lfd. Nr. 3.3:

Priorität der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Tagesordnungspunkt 17

Sprachliche Vielfalt in Berlin als Reichtum begreifen und im Unterricht weiterentwickeln!

Antrag der Fraktion der SPD, der Fraktion Die Linke und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
Drucksache 18/0277


Regina Kittler
(LINKE):

Vielen Dank, Frau Präsidentin! – Sehr geehrte Damen und Herren! In Berlin herrscht eine sprachliche Vielfalt, und das macht unsere Stadt reicher.

[Zuruf von der AfD]

Unsere vielsprachige Stadt spiegelt sich im Alltag der Berliner Schulen allerdings eher in den Pausen als im Unter­richt wider. Schülerinnen und Schüler, die zuhause z. B. Türkisch, Arabisch, Kurdisch, Rumänisch, Kroatisch oder Serbisch sprechen, haben bisher fast nur durch Konsulatsunterricht – das war ja hier schon Thema – die Möglichkeit, in ihrer Herkunftssprache auch Lesen, Schreiben und sich vielfältig sprachlich korrekt anwenden zu lernen. Wie im letzten Plenum angekündigt, legt die Koalition hiermit den Antrag vor, der den herkunftssprachlichen Unterricht weiterentwickeln und fördern wird. Dabei wollen wir in einem ersten Schritt für die häufigsten Herkunftssprachen Lernangebote entwickeln und darüber hinaus Möglichkeiten schaffen, die Herkunftssprache als erste bzw. zweite Fremdsprache zu erlernen, auch wenn Ihnen das nicht passt, und die rechtlichen Grundlagen zu schaffen, dass diese bei Abschlüssen auch anerkannt werden.

Außerdem müssen Rahmenlehrpläne und Unterrichtsmaterialien erarbeitet werden. Die Prüfung, inwieweit das Konzept der Europaschule auf weitere, auch außereuropäische Staaten ausgedehnt werden kann, ist mir dabei auch besonders wichtig – Frau Bentele, Sie wissen das –, denn hier können wir vorhandene gute Erfahrungen nutzen. Letztendlich sind es doch diejenigen Europäerinnen und Europäer, die in Europa leben, und diejenigen Berlinerinnen und Berliner, die in Berlin leben.

Der besondere Verweis auf immersives Lernen im Antrag erfolgt, weil wissenschaftlich erwiesen ist – aber mit der Wissenschaft hat es die AfD ja nicht so –, dass sich damit ein beträchtlich höheres Niveau in der Herkunfts- oder Fremdsprache erreichen lässt als mit herkömmlichem Unterricht. Dabei entwickeln sich Sprache und Sachinhalte eben genauso gut oder besser als bei einsprachig lernenden Schülerinnen und Schülern. Dies stellt auch nachweislich keine Überforderung dar, im Gegenteil. Kinder, die sehr früh den Zugang zu Mehrsprachigkeit haben, sind langfristig kognitiv leistungsfähiger und fremden Kulturen gegenüber toleranter.

[Zuruf von Hildegard Bentele (CDU)]

Das hätte einigen hier im Raum in ihrer Wahrnehmung und im Erkennen der Welt wahrscheinlich sehr gut getan. – So viel zu Herrn Kerker.

[Beifall bei der LINKEN –
Frank-Christian Hansel (AfD): Ach, Sie wissen doch gar nicht, wovon Sie reden! ¡Yo tambien hablo espanol y usted entiende nada!]

Wie hier schon dargestellt, wollen wir an den Berliner Universitäten und Hochschulen die Ausbildung von Lehrkräften für die häufigsten Herkunftssprachen ermöglichen. Dazu könnte ich mir auch gut Ergänzungsstudiengänge für Lehrkräfte vorstellen, die selbst die entsprechenden Herkunftssprachen sprechen. Das dürfte dann auch kein Jahrzehnt dauern, Frau Bentele, ich hoffe, das kriegen wir dann auch schneller hin. Solche Angebote sind für diejenigen, die bereits ein Lehramtsstudium in Deutschland absolviert haben oder für Hochschulabsolventinnen und -absolventen, die als Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger bereits in der Schule arbeiten, wohl am leichtesten möglich. Auch die, die jetzt in den Willkommensklassen arbeiten und deren Erfahrung wir dringend brauchen, möchte ich dazuzählen.

Natürlich denke ich aber auch an die Lehrkräfte, die unter den zu uns Geflüchteten sind. Die Frage der Anerkennung ihrer Abschlüsse muss natürlich im Zusammenhang damit so schnell wie möglich geklärt werden. Diese Aufgabe sehe ich nach wie vor. Und ihnen muss auch ermöglicht werden, so schnell wie möglich auf hohem Niveau die deutsche Sprache zu erlernen. Auch Sie sollten die Möglichkeit erhalten, ein Zusatzstudium zu absolvieren. Beraten wir also diesen Antrag schnell, damit wir mit der Arbeit beginnen können.

[Beifall bei der LINKEN –
Vereinzelter Beifall bei der SPD und den GRÜNEN]