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15. August 2017 DIE LINKE im Abgeordnetenhaus

Medizinstudium: Revision des Auswahlverfahrens erforderlich

Zur aktuellen Debatte um eine Reform der Zulassung zum Medizinstudium erklärt der gesundheitspolitische Sprecher Dr. Wolfgang Albers:

Es ist zu begrüßen, dass nun auch die Berliner Ärztekammer das Problem des völlig obsoleten Auswahlverfahrens bei der Zulassung zum Medizinstudium aufgegriffen hat. Sicher macht es Sinn, auch die Berliner Ärztekammer in die Diskussion um bessere Auswahlkriterien für zukünftige Medizinstudierende einzubeziehen.

Wartezeiten von bis zu 14 Semestern und mehr sind inakzeptabel und mit dem Grundrecht der freien Berufswahl nicht nur nicht vereinbar, sie sind auch in Hinsicht auf den allseits beklagten Ärztemangel politisch nicht länger hinzunehmen. Das Abwerben von Ärzten aus anderen, häufig ärmeren Ländern ist eine Form von intellektuellem Kolonialismus und kann kein adäquates Mittel sein, den heimischen Ärztemangel dauerhaft zu beheben. Die Ausbildungskapazitäten sind endlich an den wachsenden Bedarf anzupassen. Das allgemeine Lamento, zu viele Studierende verließen nach dem Studium den Beruf, darf nicht länger die Debatte auch über einen Ausbau von Medizin-Studienplätzen verhindern. Zudem zeigt gerade diese Argumentation, dass das bisherige Auswahlverfahren offenbar die Falschen zum Studium zulässt.

Die Linksfraktion in Berlin fordert seit Jahren eine grundlegende Revision des Verfahrens, dass zur Zeit immer noch im Wesentlichen auf der Abiturdurchschnittsnote beruht. Sie schlägt stattdessen ein Punktesystem vor, das auch die Abiturnote berücksichtigt, bei dem aber eben auch Punkte vergeben werden zum Beispiel für eine Ausbildung in medizinnahen Berufen, für entsprechende Berufserfahrungen oder für andere soziale Tätigkeiten während der Wartezeiten. Naturwissenschaftliche Tests wie sie die Charité als zusätzliches Kriterium heranzieht, taugen schon allein aufgrund der Einladungspraxis, die wieder nur die Abiturnote zugrunde legt, genauso wenig wie sogenannte Auswahlgespräche, die auch dadurch nicht transparenter werden, dass Vertreter der Ärztekammern daran teilnehmen.

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