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09.09.2016 Archiv: 17. Wahlperiode (2011 - 2016)

Gemeinschaftsschule anerkennen

©iStock/Susan Chiang

Die Gemeinschaftsschule hat gute Noten bekommen. Unter Rot-Rot als Pilotprojekt gestartet, hat die wissenschaftliche Begleitstudie bestätigt: es gelingt den Berliner Gemeinschaftsschulen, den Bildungserfolg ihrer Schülerinnen und Schüler von der sozialen Herkunft abzukoppeln und sich zu Schulen zu entwickeln, in denen alle erfolgreich lernen können. Hochbegabte Kinder genauso wie Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Deswegen wollen wir das Berliner Schulgesetz ändern, um die Gemeinschaftsschule als reguläre Schulform, gleichberechtigt neben den anderen Schulformen wie Gymnasien oder Integrierten Sekundarschulen, zu etablieren. Momentan hat sie noch den Status eines Schulversuches.

Link zum Antrag: DS 17/2998 - Gemeinschaftsschule soll eine schulstufenübergreifende Regelschule werden!
Alle zum Thema: Berliner Schulen

Regina Kittler aus dem Wortprotokoll

Gemeinschaftsschule soll eine schulstufenübergreifende Regelschule werden!

Aus dem Vorabwortprotokoll

85. Sitzung

Ich komme nur zur

lfd. Nr. 8:

Gemeinschaftsschule soll eine schulstufenübergreifende Regelschule werden! (Gesetz zur Änderung des Schulgesetzes von Berlin)

Antrag der Fraktion Die Linke
Drucksache 17/2998 Neu

Erste Lesung

Ich eröffne die erste Lesung. Frau Kollegin Kittler ist für die Linksfraktion benannt. – Sie erhalten das Wort. Bitte schön!

Regina Kittler (LINKE):

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! 250 000 Kinder und Jugendliche in Berlin sind arm. Das ist jede Dritte unter 18 Jahren. Hinzu kommen Tausende, die in Familien leben, in denen die Eltern zu den sogenannten Geringverdienenden gehören. Sie gehören zu den Schülerinnen und Schülern, die gegenüber den anderen benachteiligt sind und weniger Bildungschancen haben. Sie erreichen oft keinen oder geringere Abschlüsse als ihre Mitschülerinnen und Mitschüler. Das gilt übrigens in ganz Deutschland, besonders aber in den Großstädten und auch in Berlin, und das in einem der reichsten Länder der Welt!

[Martin Delius (PIRATEN): Unerhört!]

Das ist beschämend, und das muss verändert werden.

[Beifall bei der LINKEN und den PIRATEN]

Herr Graf sprach heute wieder über das drohende Szenario der Einheitsschule – gemeint ist sicherlich die Gemeinschaftsschule, Herr Graf, nicht? –

[Michael Dietmann (CDU): Nein, die Einheitsschule!]

und schmiss sich hinter den fahrenden Bus bezüglich der Gymnasien. Zu Letzteren ist mir übrigens nicht bekannt, dass sie sich in irgendeiner Gefahr befinden würden und abgeschafft werden sollten. Oder habe ich irgendetwas verpasst, Frau Senatorin? – Nein.

[Zuruf von Lars Oberg (SPD)]

In dem Zusammenhang muss ich sagen: Keiner will diese Schule gegenwärtig abschaffen. Was abgeschafft gehört, ist das Probejahr an den Gymnasien.

[Beifall bei der LINKEN –
Beifall von Martin Delius (PIRATEN)]

Aber ich sehe hier auch einen Bildungsauftrag für mich. Da würde ich der CDU zumindest gerne sagen: Wenn diese Schule, die Gemeinschaftsschule, von Ihnen häufig als Einheitsschule abqualifiziert wird, ist das eine völlig ahnungsfreie Einschätzung.

[Beifall von Carsten Schatz (LINKE)]

Ja, die Gemeinschaftsschule ist eine Einheitsschule, und zwar im besten Sinne, nämlich in dem, wie sie Wilhelm von Humboldt schon in seinem Schulgesetzentwurf für Preußen von 1819 forderte: eine Einheitsschule, die jedes Kind individuell fördert. Nicht umsonst hat eine der erfolgreichsten und überall nachgefragten Gemeinschaftsschulen im Prenzlauer Berg diesen Namen gewählt.

Sehr geehrter Herr Graf! Werte Damen und Herren der CDU! Sie beklagen überall, dass zu wenige Schülerinnen und Schüler einen Abschluss erreichen, dass die Lernerfolge bei VERA nicht hoch genug sind. Auch Sie wissen, dass der Bildungserfolg in hohem Maße von der sozialen Herkunft abhängig ist. Sind Sie wirklich der Meinung, dass das Gymnasium diese Probleme der Bildung in Berlin lösen wird? – Mit Sicherheit nicht, um einmal eines Ihrer Lieblingsworte zu gebrauchen.

[Lars Oberg (SPD): Welches denn? „Mit“?]

Also müssen wir etwas Neues wagen. Ein „Weiter so“ kann es nicht geben, sonst ändert sich nichts. Unsere Berliner Gemeinschaftsschule hat sich in der achtjährigen Pilotphase bewährt, attestiert durch eine exzellente wissenschaftliche Begleitung. Der Im April 2016 vorgelegte Abschlussbericht der wissenschaftlichen Begleitung bestätigte mit noch größerer Deutlichkeit als die vorangegangenen Zwischenberichte, dass es der übergroßen Mehrheit der Gemeinschaftsschulen gelingt, dem Bildungserfolg ihrer Schülerinnen und Schüler von der sozialen Herkunft abzukoppeln und sich zu Schulen für alle zu entwickeln, in denen alle erfolgreich lernen können, hochbegabte Kinder genauso wie Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf und alle anderen. Lerndefizite, wie sie in den zurückliegenden Jahren durch VERA 3 und 8 zum Beispiel in Deutsch und Mathe erkennbar wurden, sollten uns geradewegs zu Gemeinschaftsschulen führen, denn hier wurden nachweisbar große Erfolge erreicht.

Mit dieser Schulgesetzänderung, die wir beantragen, wird die Gemeinschaftsschule als schulstufenübergreifende Regelschule in das Schulgesetz aufgenommen und umfasst somit alle Schuljahrgänge von Klasse 1 bis zu einem Schulabschluss, also auch bis zum Abitur.

[Beifall bei der LINKEN]

Leider fehlt mir jetzt die Zeit, auf den heute in der „FAZ“ erschienen hanebüchenen Artikel eines ehemaligen Gymnasiallehrers einzugehen. Wer dazu Fragen hat, kann sich gerne an mich wenden.

[Zuruf von Lars Oberg (SPD)]

Die Berliner Gemeinschaftsschulen sind in ihrer Mehrheit hoch- und übernachgefragt und bei den beteiligten Eltern, Pädagoginnen, Pädagogen, Schülerinnen und Schülern hoch akzeptiert. Aus diesem Grunde kann man die Pilotphase für beendet erklären und den Schülerinnen und Schülern und ihren Eltern ein reguläres Angebot im Berliner Schulwesen entsprechend empfehlen. Also kann ich nur sagen: Bestanden, mit guten und sehr guten Noten. Und deshalb und weil die Gemeinschaftsschule eine Antwort auf die bisher ungelösten Aufgaben in der Bildung dieser Stadt ist, kann und soll sie jetzt Regelschule werden. Das ist unser Ziel. Dafür werbe ich um Unterstützung.

[Beifall bei der LINKEN und den PIRATEN –
Beifall von Stefanie Remlinger (GRÜNE)]

Vizepräsident Andreas Gram:

Danke schön, Frau Kollegin! – 

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