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VFX-Branche in Berlin stärken

54. Sitzung des Abgeordnetenhauses von Berlin, 20. Februar 2020

Zu "VFX-Branche in Berlin stärken" (Priorität der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen) Antrag der Fraktion der SPD, der Fraktion der CDU, der Fraktion Die Linke, der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und der Fraktion der FDP Drucksache 18/2479

Anne Helm (LINKE):

Vielen Dank, Frau Präsidentin! – Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Berlinerinnen und Berliner! Natürlich beschäftigen wir uns nicht nur heute mit Film. Das ist gerade von uns Fachpolitikerinnen und Fachpolitiker der politische Alltag, und von mir auch der berufliche aber heute ist es natürlich etwas ganz Besonderes, denn heute wird die sage und schreibe 70. Berlinale eröffnet, die erste in den eingehenden Zwanzigerjahren des 21. Jahrhunderts. Im Moment sind die Zwanzigerjahre des 20. Jahrhunderts wieder eine große Inspirationsquelle für Mode, für Kunst, aber vor allem auch für Filmschaffende. Hier spielt Berlin als kulturelle Metropole natürlich eine Schlüsselrolle. Wir denken an „Metropolis“ von Fritz Lang, der damals die Filmtricktechnik absolut revolutionierte und die ganze Welt verzauberte. Aber auch die Frage, wie in einer jungen Demokratie damals der Faschismus gedeihen konnte, ist eine, die Gesellschaft und Kultur im Moment auch aufgrund aktueller Entwicklungen wieder stark beschäftigt.

Nachdem die Nazis die progressive, pulsierende Kulturhauptstadt Berlin nachhaltig vernichteten und ihre Akteure und Akteurinnen größtenteils vertrieben oder deportierten, sind wir umso glücklicher, dass Berlin und Potsdam heute wieder eine Kultur- und Filmregion mit globaler Strahlkraft sind.

Berlin ist Drehort und Protagonistin etlicher internationaler Produktionen. Aber in einem Bereich hinkt Berlin bisher hinterher, meine Kolleginnen und Kollegen haben das schon beschrieben. Das, was zur Zeit von „Metropolis“ der Filmtrick war und was Sie in den letzten Jahrzehnten als Special Effects kannten, sind inzwischen die Visual Effects. Die berühmten Kulissen von Babelsberg werden also ergänzt oder sogar ersetzt durch Animation oder durch Simulation. Kollege Schweikhardt hat das ganz ausführlich erklärt. Wer das noch einmal nachschauen möchte, dem empfehle ich auch seine Rede.

Wir würden uns wünschen, dass Berlin auch in Berlin animiert wird. Wir haben hier das Know-how, wir haben die Infrastruktur und wir haben das kreative Umfeld, in dem die Branche auch arbeiten will. Aber, anders als andere hatten wir bisher nicht die Förderstruktur anzubieten, die andere anbieten konnten. Deswegen freue ich mich sehr, dass wir uns mit so einer breiten Mehrheit dazu entschlossen haben, die Lücke zu schließen und Abwanderung zu verhindern. Vielen Dank dafür!

Aber eines ist mir trotzdem ganz wichtig, an dieser Stelle zu betonen, es ist nämlich mit diesem Antrag nicht unsere Intention, in ein Aufrüsten der Standortkonkurrenz einzusteigen. Auch gerade in Zeiten von globalen, großen Umbrüchen in der Filmwirtschaft ist es uns besonders wichtig, dass wir eine abgestimmte europäische Filmförderung haben, und eine Architektur und Instrumente, die ineinandergreifen und einander ergänzen, wo sich Standorte auch gegenseitig bereichern können, und auch unkonventionelle Filme oder Filme aus kleineren Märkten als dem deutschsprachigen Raum ihren Weg auf die Leinwände, die die Welt bedeuten, finden.

Deswegen wird ein The-Winner-takes-it-all-Prinzip, wie es die AfD will, überhaupt nicht der Sache gerecht, denn die ganzen kulturellen Schätze, die immer noch auf ihre Verwirklichung warten, würden damit verloren gehen.

Die Berlinale ist der beste Beweis dafür und ich glaube, da kann ich auch für meine Kolleginnen und Kollegen sprechen, die mit mir diesen Antrag erarbeitet haben. In diesem Sinne erlaube ich mir schon mal zu sagen: Lasset die Spiele beginnen und – herzlichen Dank!