Ausgebildete Lehrkräfte dringend gesucht: Personalsituation an Berliner Schulen weiter dramatisch

Am 8. September starten die Berliner Schüler:innen ins neue Schuljahr. Wie eine aktuelle schriftliche Anfrage der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus zeigt, ist die Personalsituation auch zu Beginn des Schuljahrs 2025/26 weiterhin mehr als angespannt: Einem Einstellungsbedarf von 4.161 Vollzeit-Lehrkräften stehen mit Stand 1. August gerade einmal 695 voll ausgebildete Lehrkräfte gegenüber, die ein Einstellungsangebot erhalten und auch angenommen haben. Im Vorjahr gab es zu Schuljahresbeginn immerhin noch 1.273 Einstellungen von Lehrkräften mit abgeschlossener Ausbildung. Darüber hinaus erfolgten bislang Einstellungen von 125 Referendar:innen mit abgeschlossenem Lehramtsstudium, die sich für den berufsbegleitenden Vorbereitungsdienst entschieden haben, 184 Quereinsteigenden (im Vorjahr: 409) und 3.141 sogenannten Sonstigen Lehrkräften, darunter fast 2.000 Studierende, mehr als 900 Lehrkräfte ohne volle Lehrbefähigung sowie fast 300 Ruheständler:innen. Insgesamt wurden bis zum Monatsanfang also 4.145 Personen eingestellt.

Ausgehend von der Teilzeitquote des Vorjahres entspricht das etwa 3.614 sogenannten Vollzeiteinheiten. Rechnerisch ergibt sich damit zum 1. August eine Personallücke von 547 Vollzeit-Lehrkräften, wobei der Einstellungsbedarf und damit auch die Lücke durch die Aussetzung des sogenannten Profilbedarf II und die erhöhte Anrechnung von Referendar:innen im Vorjahr bereits um 470 Vollzeit-Lehrkräfte nach unten berechnet wurden. Auch die zunehmende Besetzung von Lehrkräftestellen mit Personal aus anderen Professionen, 480 sogenannte „Umwandlungen“, wurde dabei bereits herausgerechnet. Faktisch liegt die Lücke damit wie im Vorjahr bei insgesamt etwa 1.500 Vollzeit-Lehrkräften.

Dazu erklärt Franziska Brychcy, bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus:

„Der Personalmangel an den Berliner Schulen ist weiterhin dramatisch: Nur noch ungefähr 15 Prozent des Einstellungsbedarfs kann durch voll ausgebildete Lehrkräfte abgedeckt werden. Darunter leidet selbstverständlich auch die Bildungsqualität. Doch statt effektiver Gegenmaßnahmen präsentiert der Schwarz-rote Senat weiterhin Rechentricks und verringert die Lücke von real 1.500 Vollzeit-Lehrkräften auf diese Weise um fast 1.000 nach unten. Wir müssten nach wie vor alles tun, damit gut ausgebildete Lehrkräfte die Berliner Hochschulen verlassen und sich nach dem Vorbereitungsdienst für die Tätigkeit an einer der Schulen unserer Stadt entscheiden. Stattdessen jedoch kürzt der Senat im neuen Haushaltsentwurf sowohl bei der Grundfinanzierung der Hochschulen als auch bei den Sondermitteln für Lehrkräftebildung – mit absehbar massiven Auswirkungen auf die Anzahl der Absolvent:innen. Ein Ende des Mangels ist auf diese Weise nicht in Sicht.“