Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

Berlin wird zur Bio-Stadt

38. Sitzung des Abgeordnetenhauses von Berlin, 7. März 2019

Dr. Michael Efler (LINKE):

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir hatten zu dem Thema eigentlich eine ganz gute Debatte im Ausschuss, fand ich. Da war von CDU und FDP durchaus einiges an Offenheit und an Verständnis zumindest für den Antrag zu hören. Von der Rechtsaußenfraktion kamen nur blöde Veganerwitze und sonst nichts Konstruktives.

Und zu der Rede, die wir eben gehört haben, muss man einfach sagen: Rosenmontag war am Montag, heute haben wir Donnerstag, und hier ist ein Parlament. Also sind Sie ein bisschen zu spät dran.

Aber die ernährungspolitische Kompetenz der AfD sieht man ja an der Bundestagsfraktion, wo mehrere Tausend Euro Steuergelder für Mettigel verschwendet worden sind. Also das haben Sie hier munter weitergeführt.

Der Antrag ist in der Tat – das kann man so sagen – eher unspektakulär.

Es geht im Kern um den Beitritt zu einem Städtenetzwerk. Das ist die zentrale Aussage dieses Antrages. Herr Freymark, da müssen Sie auch gar nicht so viel hineingeheimnissen. Es geht nicht um „100 Prozent Bio für alle“, sondern es geht erst mal darum, diesem Städtenetzwerk beizutreten, um dann zu gucken, wie man sich mit anderen Städten vernetzen kann. Aber natürlich haben wir im Koalitionsvertrag klare Ziele festgelegt. Wir wollen den Bio-Anteil in öffentlichen Kantinen erhöhen.

Ich mag es auch ein bisschen, Politik wissenschaftlich zu fundieren und zu begründen. Deswegen habe ich mir das mal angeguckt und bin bei einer Metastudie fündig geworden, und zwar der größten Studie überhaupt zum Thema ökologischer Landbau, die den ökologischen Landbau mit der konventionellen Landwirtschaft anhand von 33 Kriterien verglichen hat. Bei 26 von 33 Kriterien sind deutliche Vorteile für den ökologischen Landbau herausgekommen. Deutliche Vorteile z. B. beim Gewässerschutz, bei der Bodenfruchtbarkeit, bei der Artenvielfalt und beim Tierschutz. Für mich als Klimaaktivisten, Klimapolitiker war ganz besonders wichtig: Ökologische, vor allem regionale Landwirtschaft ist mit erheblich weniger Treibhausgasemissionen verbunden.

Was auch ganz entscheidend ist: Das Netzwerk soll auch das Thema Lebensmittelverschwendung angehen. Es ist ein Skandal, dass in einem reichen Industrieland wie Deutschland jährlich – ich weiß nicht, wie viele – Tonnen von Lebensmitteln verschwendet werden. Das ist wirklich nicht haltbar, und dagegen wollen wir vorgehen. Das soll auch dieses Netzwerk machen.

Für uns als Linke und als Linksfraktion ist es immer wichtig, jeden Politikbereich auch sozial zu unterfüttern. Das gilt auch für die Ernährungspolitik. Wir wollen natürlich kein gesundes und ökologisches Essen nur für Besserverdiener. Das darf kein Privileg werden. Wir wollen selbstverständlich biologisches Essen, gutes Essen für alle haben. Das werden wir nicht von heute auf morgen erreichen. Das ist auch nicht der Regelungsgehalt. Wie wir das jetzt genau umsetzen, das ist Teil der Ernährungsstrategie, der Haushaltsverhandlungen und weiterer Sachen, die noch kommen werden. Aber hier haben wir einen guten Aufschlag gemacht, und wenn Sie dagegen sind, dann stimmen Sie halt dagegen. Wir gehen diesen Weg weiter. – Vielen Dank!


Kontakt