Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

Tierversuche reduzieren

31. Sitzung, 27. September 2018

Dr. Michael Efler (LINKE):

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrter Herr Vallendar! Ein Gesetzentwurf zum Thema Hochschulgesetz wird ja noch kommen. Wir schlagen hier schon mal die ersten Pflöcke ein. Dass wir jetzt einen Gesetzentwurf für ein Bundesgesetz vorlegen, ist vielleicht ein bisschen zu viel verlangt, finde ich.

Ich freue mich, dass wir hier mit diesen beiden Anträgen zum Thema Tierversuche vorangehen. Ich habe mich selbst intensiv mit dem Thema beschäftigt und stehe auch – das ist mir wichtig zu betonen – im regelmäßigem Austausch sowohl mit Tierschutzverbänden als auch mit Forscherinnen und Forschern, die teilweise auch selbst Tierversuche durchgeführt haben.

Ich glaube, dass wir beim Thema Tierversuche vor einer Zeitenwende stehen. Es ist schon angesprochen worden: Ganz lange galten sie als alternativlos, als Goldstandard, auch als notwendiges Übel für eine wissenschaftliche Karriere in bestimmten Disziplinen. Dies kommt langsam aber sicher ins Rutschen. Zunehmend werden Tierversuche in der Gesellschaft hinterfragt. Tierversuche für Kosmetika sind mittlerweile europaweit verboten. Diese galten lange Zeit als absolut unverzichtbar. Und es ist sicherlich auch kein Zufall, dass eine europäische Bürgerinitiative zu diesem Thema mit 1,2 Millionen Unterschriften erfolgreich zustandegekommen ist. Das liegt aus meiner Sicht an drei Dingen: Erstens sind Tierschutz und Tierrechte für immer mehr Menschen ein wichtiges Thema, das sich nicht zuletzt in der Verankerung des Staatsziels Tierschutz im Grundgesetz niedergeschlagen hat. Zweitens gibt es zunehmend Kritik an der Effektivität, auch an der Übertragbarkeit von Tierversuchen. Und drittens – darauf gehe ich noch näher ein – gibt es immer mehr und immer bessere Ersatzmethoden.

Mit den vorgelegten Anträgen verfolgen wir ausdrücklich das Ziel, Tierversuche weiter zu reduzieren. Wir setzen neben einer Reform des Hochschulgesetzes vor allem auf den Ausbau von Alternativmethoden. Hier wird in Berlin bereits Hervorragendes geleistet. Das ist auch schon angesprochen worden, wenn ich z. B. an die Entwicklung von synthetischen Hautmodellen denke oder an Multiorganchips, und der Senat fördert diese Verfahren auch im Rahmen des Charité-Vertrags. Ich will aber ein konkretes Problem in der Wissenschaftslandschaft ansprechen. Wir haben nämlich die Institution BB3R, eine existierende Berlin-Brandenburger Forschungsplattform. Und die droht uns wegzubrechen mangels ausreichender Finanzierung. Das haben wir explizit in den Antrag mit aufgenommen. Es wäre ein schmerzhafter Verlust für eine international geschätzte Forschungseinrichtung, den wir nicht zulassen dürfen. Deswegen ganz klarer Aufforderung an den Senat, die Finanzierung des BB3R zu sichern.

Ich mag es auch, ein bisschen über den Tellerrand der Landespolitik hinauszublicken, weil mir viele Sachen ein bisschen zu defensiv sind, was wir hier auch diskutiert haben.  Ich will nur einige Beispiele nennen, was sich in anderen Ländern tut. Die Region Brüssel verbietet Tierversuche an Hunden, Katzen und Affen ab 2020. Der Staat Holland will bis zum Jahr 2025 bei der Entwicklung von Ersatzmethoden weltweit führend sein. Die USA investieren 140 Millionen Dollar in die Entwicklung von Human-on-a-Chip. Und es ist gerade vor einigen Monaten eine Software entwickelt worden, die das Gesundheitsrisiko chemischer Substanzen präziser einschätzen kann als Tierversuche. Wenn sich das durchsetzt, wäre das ein Durchbruch beim Ersatz von Tierversuchen im Bereich der Zulassung von Chemikalien und ein riesiger Schritt, ähnlich wie bei den Kosmetika.

Abschließend noch mal – Herr Dr. Taschner hatte das auch erwähnt –: Was uns wirklich wichtig ist, wir wollen hier nicht den moralischen Zeigefinger erheben. Es geht nicht darum, Institutionen oder Forscher, die Tierversuche durchführen, anzuklagen. Es geht darum, das Staatsziel Tierschutz mit Leben zu erfüllen und in der Brain City Berlin Spitzenforschung durch Alternativmethoden zu Tierversuchen zu betreiben. – Vielen Dank!


Kontakt