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Keine Einsparungen im Rettungsdienst, sondern mehr Geld für zusätzliche Rettungswagen und mehr Personal

Zur Entscheidung der Vertreter der Koalitionsfraktionen im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses, keine Gelder mehr für das Schlaganfall-Mobil (STEMO) in den Doppelhaushalt 2020/2021 einzustellen

erklärt der gesundheitspolitische Sprecher Dr. Wolfgang Albers:

„Ziel einer bedarfsgerechten notfallmedizinischen Versorgung in der Stadt bleibt es, die Zeitspanne zwischen dem Eintritt eines medizinischen Notfalls und dem Beginn der notwendigen Behandlung so weit wie möglich zu verkürzen. Der Berliner Krankenhausplan sieht vor, dass Patient*innen in Berlin, unabhängig davon, wo sie in der Stadt wohnen, im Ernstfall innerhalb von 10 Minuten einer stationären Versorgung zugeführt werden können. Dazu gibt es über die Stadt verteilt ein dichtes Netz von Notfallkrankenhäusern. An 16 dieser Kliniken werden zudem sogenannte Stroke Units vorgehalten, das sind besonders ausgewiesene Stationen, die mit entsprechender Ausstattung auf die Behandlung von Schlaganfallpatient*innen spezialisiert sind. Hier ist Berlin gut aufgestellt.

Schwierigkeiten machen noch die Anfahrtszeiten der Rettungsdienste, die nicht in allen Fällen die gesetzte Hilfsfrist von 10 Minuten bis zum Eintreffen bei den Patient*innen einhalten können. Diese „Hilfsfrist“ wurde im Übrigen 2014 unter der Verantwortung eines CDU-Innen- und eines CDU-Gesundheitssenators von acht auf 10 Minuten heraufgesetzt, mit der Begründung, man brauche zusätzliche zwei Minuten „Bearbeitungszeit“.

Rot-Rot-Grün geht einen anderen Weg. Wir arbeiten daran, diese Hilfsfrist wieder zu verkürzen, denn diese zwei Minuten können z.B. bei einem Herzstillstand über Leben und Tod entscheiden. Deswegen haben wir im nächsten Doppelhaushalt das Geld freigemacht für die Anschaffung zusätzlicher moderner Rettungswagen (RTWs) und für mehr Personal bei der Feuerwehr, um so den einsatzfähigen Fuhrpark der Rettungsdienste im Sinne der schnellstmöglichen Hilfe berlinweit weiter zu verdichten.

Die Anfahrtszeit des Schlaganfall-Mobils zu den Patient*innen betrug, beispielhaft im Jahr 2014 ermittelt, im Durchschnitt 17,39 Minuten und liegt auch weiterhin nach der Stationierung zweier zusätzlicher STEMOs im Zielbereich von 20 Minuten. In dieser Zeit kann der Patient aber mit dem herkömmlichen RTW längst in der Klinik sein.

Und so wird auch die überwiegende Zahl der Schlaganfallpatient*innen nach wie vor nicht mit einem der drei STEMOs in die Klinik eingeliefert. Ein STEMO fährt im Schnitt rund sieben Einsätze pro Tag, davon nur in der Hälfte der Fälle auch tatsächlich zu Schlaganfallpatient*innen. Es muss deshalb bei seinen Einsätzen regelmäßig auch noch von einem gewöhnlichen RTW begleitet werden.

Die aktuelle Auswertung des Projekts durch die Charité zeigt, dass der therapeutisch wichtige Zeitgewinn für die Patient*innen vom Auftreten der Symptomatik bis zum Beginn der Therapie im Vergleich zum herkömmlichen Transport mit dem RTW maximal bei 16 Minuten liegt. Ein möglicher medizinischer Vorteil für die Betroffenen aus diesem minimalen Zeitgewinn konnte bisher durch die Begleitstudien nicht abgeleitet werden.

Weil für die Berliner Krankenkassen eine entsprechende Bedarfsnotwendigkeit nicht nachgewiesen war und außerdem erhebliche Zweifel an der Bedarfs- und Fachgerechtigkeit des Einsatzes solch spezialisierter Fahrzeuge bestanden, hatten diese schon 2015 definitiv die Übernahme der Anschlusskosten für dieses Projekt abgelehnt.

In diesem Zusammenhang stellte sich für uns nun die Frage, ob das ohnehin zeitlich befristete Forschungsprojekt zum Einsatz eines Stroke-Mobils im Rettungsdienst eines Stadtstaats wie Berlin ein zweites Mal verlängert und mit mehr als drei Millionen Euro pro Jahr weiter finanziert werden sollte. Warum dann eigentlich nur solche Fahrzeuge für Schlaganfallpatient*innen? Wir standen vor einer Grundsatzfrage und haben uns nach intensiver Diskussion und Auswertung aller Unterlagen gegen den weiteren Einsatz solcher hochspezialisierten Einsatzfahrzeuge im Rettungsdienst entschieden. Stattdessen schaffen wir durch neue und zusätzliche Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr berlinweit die Voraussetzungen die ehrgeizige Zielsetzung von acht Minuten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes für jeden Berliner zu garantieren.“


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