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Versuch der politischen Einflussnahme auf die Arbeit der Ständigen Impfkommission ist kontraproduktiv

Zum Druck auf die Ständige Impfkommission und zur Debatte um die Impfpflicht erklärt der gesundheitspolitische Sprecher der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Dr. Wolfgang Albers:

 

Im Zusammenhang mit der Frage der Impfung von Kindern und Jugendlichen wächst der politische Druck auf die Ständige Impfkommission von allen Seiten. Der Versuch der politischen Einflussnahme auf die Arbeit der Ständigen Impfkommission ist kontraproduktiv. Sie tut das, was ihr Auftrag ist. Sie entwickelt auf der Grundlage der vorhandenen Datenbasis und einer systematischen Analyse der wissenschaftlichen Literatur ihre Impfempfehlungen und orientiert sich dabei an den Kriterien der evidenzbasierten Medizin. Sie berücksichtigt neben dem individuellen Nutzen-Risiko-Verhältnis einer Impfung für jeden Einzelnen auch die möglichen epidemiologischen Effekte einer flächendeckenden Impfstrategie für die gesamte Bevölkerung.

Die Ständige Impfkommission arbeitet unabhängig und ihre Empfehlungen gelten als medizinischer Standard. Impfentscheidungen unterliegen nicht politischer Opportunität, sondern medizinischer Notwendigkeit. Die Entscheidung für oder gegen eine Impfung ist eine rein ärztliche, die dem Vertrauensverhältnis Arzt-Patient vorbehalten bleiben muss, ansonsten verspielen wir das Vertrauen in die Sinnhaftigkeit ärztlichen Handelns.

 

Ebenso kontraproduktiv sind Forderungen, Sanktionen gegen Impfunwillige zu verhängen, sie durch Stigmatisierung ins gesellschaftliche Abseits zu drängen oder ihnen gar ärztliche Behandlungen zu verweigern. Bestrafen wir Dummheit in unserer aufgeklärten Zivilgesellschaft jetzt mit Behandlungsentzug im Erkrankungsfall? Warum gilt das dann nur für trollige Impfverweigerer und nicht für die Raser auf Brandenburgs Landstraßen oder den kettenrauchenden Diabetiker?

Jeder kann und sollte sich durch eine Impfung selber schützen, aber nicht mit dem Finger auf vermeintlich Impfunwillige zeigen.