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Barrierefrei ist gut – inklusiv ist besser

52. Sitzung des Abgeordnetenhauses von Berlin, 16. Januar 2020

Zu "Barrierefrei ist gut – inklusiv ist besser" Antrag der Fraktion der SPD, der Fraktion Die Linke und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
Drucksache  18/2145

Philipp Bertram (LINKE):

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! „Barrierefrei ist gut – inklusiv ist besser“ – auch hier sind sich eigentlich alle im Haus einig, dass dem so ist. Dennoch diskutieren wir mehr als zehn Jahre nach Inkrafttreten der Behindertenrechtskonvention in immer noch zu vielen Bereichen über grundlegende Maßnahmen, um Teilhabe für alle Menschen gleichermaßen zu gewährleisten. Im Sport können wir zum Glück feststellen, dass die Sportvereine inzwischen ganz selbstverständlich ein breites Angebot des Parasports und des Inklusionssports entwickelt haben, und dieser Anspruch zieht sich zum Glück auch bis in den Spitzensport durch. Wir freuen uns darauf, 2023 die Special Olympic Games hier in Berlin ausrichten zu dürfen.

Selbstverständlich ist das nicht, denn der Parasport hat längst nicht die gesellschaftliche Bedeutung, die ihm eigentlich zustehen sollte. Immer wieder wird der Parasport in der öffentlichen Wahrnehmung vergessen oder nachrangig behandelt.

Hier tragen aber auch wir im politischen Raum Verantwortung, und zwar gehört zu dem ganzen Thema auch die Bereitstellung einer entsprechenden Infrastruktur. Hier haben wir deutlichen Nachholbedarf. Typensporthallen bieten bisher nur eine grundlegende Barrierefreiheit nach gesetzlichen Vorschriften. Dazu kann man sagen: immerhin –, aber das reicht eben nicht aus. In der Regel beziehen sich die geltenden Vorschriften der Barrierefreiheit auf Zuschauerplätze und Besucherwege, nicht aber auf die Sportler/-innen selbst. Sportler/-innen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen, die spielen keine Rolle, denn man geht in der Regel bei der Planung nicht davon aus, dass zum Beispiel zu einem Rollstuhlbasketballspiel nicht nur ein, sondern womöglich in kürzester Zeit mehr als 20 oder 30 Rollis per Lift transportiert werden müssen. Ich glaube, das Grundproblem der Barrierefreiheit und der inklusiven Nutzung wird an diesem Beispiel deutlich.

Im Rahmen der Schulbauoffensive entstehen alleine 60 neue Schulen plus Sportanlagen und insgesamt über 400 neue Hallenteile. Wir müssen hier die Chance nutzen, gleich richtig zu bauen, um Inklusion auch grundlegend zu ermöglichen. Hierfür fordern wir den Senat auf, das Planungshandbuch Sport entsprechend anzupassen, damit es eine neue und festgeschriebene Planungsgrundlage für den inklusiven Bau von Sportanlagen gibt. Eine Hilfestellung sollte hierfür ein Dialogprozess mit den entsprechenden Akteuren des organisierten Sports sein. Das ist neben dem Behindertensportverband eben auch das Netzwerk Inklusion im Sport. Dieses Netzwerk hat bereits einen Entwurf für einen Kriterienkatalog für inklusive Sportanlagen vorgelegt, der umfassend alle Bedarfe in den Blick genommen hat. Dafür können wir uns an dieser Stelle eigentlich nur bedanken, denn davon können wir alle sehr viel lernen.

Natürlich kostet inklusives Bauen etwas. Doch es geht nicht immer nur um zusätzliche Einbauten, es ist viel trivialer. Es beginnt damit, zum Beispiel bei der Ausstattung, Waschbecken tiefer anzubringen, und geht bis hin zur Wandgestaltung, denn zum Beispiel eine weiße Wand ist für Menschen mit Sehbeeinträchtigung eine schlechte Orientierungshilfe. Dagegen helfen Muster, Strukturen oder einfach kräftige Farben. Wir sollten hier diejenigen fragen, die darauf angewiesen sind, sollten deren Hinweise beachten und eben auch umsetzen. Wir müssen endlich über unseren eigenen Tellerrand blicken und uns den Bedürfnissen aller Nutzer/-innen stellen und damit den Menschen in unserer Stadt in Gänze gerecht werden. Wir alle verlieren dabei nichts, sondern gewinnen. In diesem Sinne bitte ich um Zustimmung. – Vielen Dank!


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