Aufsicht ohne Durchblick?
BER-Aufsichtsrat war offenbar unfähig
Zur Befragung der Unternehmers Michael Zehden über seine Tätigkeit als langjähriges Mitglied im Aufsichtsrat der FBS/FBB und als Aufsichtsratsvorsitzender der BFG erklärt das Mitglied im BER-Untersuchungsausschuss Jutta Matuschek:
Auch der erfahrende und erfolgreiche Hotelmanager Michael Zehden konnte im Untersuchungsausschuss BER nicht erklären, warum der Aufsichtsrat offenbar nicht in der Lage war, die sich seit Ende 2009 permanent zuspitzende Situation hinsichtlich Termin-, Kosten- und Finanzierungssicherheit zu erkennen und angemessene Maßnahmen zu ergreifen.
Seine Aussage, dass er wie der ganze Aufsichtsrat von der Absage der Eröffnung vollkommen überrascht wurde, dass es keinerlei Hinweise auf schwerwiegende Störungen von keiner Seite gab, ist unverständlich, weil aus heutiger Sicht die Anzeichen für die Schieflage des Vorhabens spätestens seit der ersten Verschiebung der Inbetriebnahme im Juni 2010 unübersehbare waren: Kostenanstieg und Budgeterweiterungen mit zunehmender Dynamik und immer kreativeren Finanzierungsquellen für die Mehrkosten.
Herr Zehden geht heute davon aus, dass der Aufsichtsrat nicht zu wenige Informationen hatte, sondern in einigen Fällen falsch informiert wurde. Allerdings stellt sich die Frage, warum die Mitglieder des Aufsichtsrates die Signale für die Schieflage des Projekts, die selbst in der unzureichenden Berichterstattung von Geschäftsführung und Controlling ablesbar waren, nicht erkannten. Warum wurde das Mantra der Geschäftsführung, dass Kostensteigerungen (kumuliert über 500 Mio. Euro) im beschlossenen Finanzierungsrahmen zu bewältigen seien, vom Aufsichtsrat nicht problematisiert? Warum hat der Aufsichtsrat die nach der Verschiebung 2010 festgestellten Defizite des Controllings nicht verfolgt und abgestellt? Warum ließ sich der Aufsichtsrat immer wieder mit Tischvorlagen der Geschäftsführung zu weitreichenden Entscheidungen über Kostensteigerungen und Finanzierungsfragen bewegen? Die Aussagen des Zeugen haben nicht dazu beitragen können, dies zu beantworten.
Vielleicht liegt ja darin ein Teil der Antwort.

