Aus den Tiefen der Bauabläufe
Untersuchungsausschuss »Staatsoper Unter den Linden«
Das Mitglied im Untersuchungsausschuss »Staatsoper Unter den Linden« Wolfgang Brauer informiert:
Zum heutigen Termin waren die Zeugen Ullrich Schulte von der Firma BAL, der Architekt Hans-Günter Merz und der Senatsbaudirigent Hermann-Josef Pohlmann geladen. Herr Schulte stellte dar, dass der Bauherr mit den Dimensionen und Problemen des Projektes offensichtlich überlastet und überfordert war. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt wäre sich nicht bewusst gewesen, welche Tragweite ein Eingriff in die Substanz des Gebäudes haben würde. Für den Baubegleiter BAL sei frühzeitig erkennbar gewesen, dass der gestellte Zeitplan nicht zu halten sei. Die von SenStadtUm geforderten Beschleunigungsmaßnahmen hätten als »Hilferuf der Verwaltung« gesehen werden müssen. Ein Beispiel: Der im Februar 2012 vom Bauherrn geforderte »Schichtbetrieb« – sei beim »Bauen im Bestand« kaum zu realisieren. Ebenso schätzte Schulte ein, dass die finanziellen Risiken von Anfang an »entschieden zu niedrig« eingeplant wurden. Diesbezügliche Forderungen von Senatsbaudirigent Pohlmann an die bauplanenden Firmen zeugten von Nichtwissen und fehlendem Sachverstand.
Interessant für den Untersuchungsauftrag des Ausschusses waren auch die Ausführungen des Architekten Hans-Günter Merz über die Sachzwänge bei der Sanierung eines alten Bauwerkes unter Berücksichtigung der Anforderungen des Denkmalschutzes und der Nutzerinteressen. Deutlich wurde, dass kurzsichtige kulturpolitische Entscheidungen, wie die illusorische Nutzungsstruktur oder die Aufgabe des halben Magazingebäudes trotz potenziellen Eigenbedarfes, zu planerischen und Baudurchführungsproblemen führen mussten.
Fazit der heutigen Vernehmungen: Sicher war das Ausmaß des Desasters nicht punktgenau vorhersehbar. Dass das Bauvorhaben angesichts der ungenügenden Vorbereitungen und Planungsarbeiten aber aus dem Ruder laufen musste, war den Beteiligten offensichtlich von Anbeginn klar.

