BER: Bauherr und Planungsgemeinschaft waren Hase und Igel

DIE LINKE im Abgeordnetenhaus

Zeugenbefragung von Hans-Joachim Paap für die Planungsgemeinschaft pg bbi

Zur Zeugenbefragung von Hans-Joachim Paap für die Planungsgemeinschaft pg bbi erklärt das Mitglied im BER-Untersuchungsausschuss Jutta Matuschek:

Mit vier Großaufträgen war die Planungsgemeinschaft pg bbi der zentrale Auftragnehmer zur Erstellung des Flughafens BER. 2005 wurde die Planungsgemeinschaft mit der gesamten Entwurfs- und Genehmigungsplanung für das Terminal beauftragt. Im Jahre 2007 erhielt pg bbi den Auftrag für die Objektüberwachung (Planprüfung, Terminplanung, Kostenkontrolle, Koordination des Baugeschehens) und Anfang 2008 auch noch für die Ausführungsplanung des Terminals. Damit lag bei diesem Firmenzusammenschluss aus Gerkan, Marg und Partner, JSK-Architekten und dem Ingenieurbüro Kruck die komplette Verantwortung für die Errichtung des Flugastterminals.

Wünsche des Bauherren FBB nach massiver Vergrößerung und Veränderung des Terminals machten permanente Umplanungen erforderlich und störten den Bauablauf massiv. Das führte, so der heute geladene Zeuge Paap, zu einem spannungsgeladenen Verhältnis zwischen dem Generalplaner und der Flughafengesellschaft. Spätestens nach dem Scheitern der Vergabe des Terminalbaus an einen Generalunternehmer standen Bauherr FBB und Auftragnehmer pg bbi vor einer gewaltige Herausforderung, die sie nicht gemeinsam zu bewältigten vermochten.

Der Zeuge Paap nutzte seine Gesamtdarstellung der Vorgänge, um den in den letzten Monaten öffentlich gemachten Vorwürfen gegen die pg bbi als Hauptverantwortlichen für das Flughafendesaster mit kenntnisreichen und detaillierten Ausführungen entgegenzutreten. Seine Darstellung ließ jedoch eine selbstkritische Haltung weitgehend vermissen und geriet zur einseitigen Retourkutsche in Richtung der Verantwortlichen der FBB. Statt die erste Verschiebung der Eröffnung des BER im Sommer 2010 zum Anlass zu nehmen, das Projekt strukturell neu aufzustellen, versuchte man durch einen extensiven Ressourceneinsatz und die Überlagerung von Planung und Bauausführung den BER »irgendwie« fertigzubauen. Nötige Erprobungszeiten wurden komplett missachtet.

Dafür sieht Herr Paap einzig die FBB in der Verantwortung. Er konnte in seiner heutigen Vernehmung nicht schlüssig erklären, warum die Planungsgemeinschaft angesichts der permanenten Überforderung und anhaltender Leistungsrückstände immer wieder neue Termine zusicherte und warum sie noch im Dezember 2011, als eine qualitäts- und termingerechte Eröffnung am 3. Juni 2012 mit einem verantwortbaren Risiko nicht mehr darstellbar war, als Ausweg eine halbautomatische Interimslösung mit einer sogenannten Mensch-Maschine-Schnittstelle für die Brandschutzanlage vorschlug.

Von der FBB verfestigte sich das Bild des gehetzten Hasen, der einen fertigen Bau zum Termin erhoffte, und das der Planungsgemeinschaft pg bbi als Igel, der zu jedem Problem eine Scheinlösung bot. Nach der Grimmschen Fabel bricht der Hase tot zusammen und der Igel geht mit dem Golddukaten seiner Wege. In der Realität liegt der Flughafenbau am Boden. Um den Golddukaten wird vor Gericht gestritten.

Die Vernehmung förderte weitere Einzelheiten für das Gesamtbild einer gemeinschaftlichen verantwortungslosen Realitätsverweigerung der für das Bauvorhaben Verantwortlichen zu Tage. Die Anhörung weiterer Verantwortlicher der pg bbi, insbesondere der Bauüberwachung ist nach Ansicht der Linksfraktion zwingend geboten.