Couragierte Künstlerin, bemerkenswerte Frau.
Wir trauern um Elfriede Brüning
Zum Tod der Schriftstellerin erklärt der Fraktionsvorsitzende Udo Wolf:
Elfriede Brüning war eine große, couragierte Künstlerin und eine bemerkenswerte Frau. Sie hat mehr als ein ganzes Jahrhundert erlebt, mit ihren Büchern erlangte sie Millionenauflagen. Bereits mit sechzehn Jahren begann sie, Reportagen und Feuilletons zu schreiben und war jüngstes – und schließlich das letzte noch lebende – Mitglied des Bundes Proletarischer Schriftsteller. Als Kommunistin während des Faschismus inhaftiert, lebte und arbeitete sie nach dem Krieg in der DDR.
Im Mittelpunkt ihrer Bücher standen Frauen – zwischen Familie und Beruf, zwischen den überkommenen Werten und den neuen Ansprüchen. Frauen in der harten Nachkriegszeit, in den Zwangslagern der Sowjetunion, in Ost und West. Elfriede Brüning schrieb Frauenliteratur im besten Sinne: lesbar, unterhaltsam, von großer soziale Kompetenz geprägt.
Auch nach der politischen Wende und der Vereinigung der beiden deutschen Staaten war Elfriede Brüning – nunmehr hochbetagt – bis in die jüngste Vergangenheit aktiv. Wunderbar selbstironisch bisweilen, wenn es ums Älterwerden ging, blieb sie bis zuletzt Ansprechpartnerin und einfühlsame Beraterin jüngerer Autorinnen und Autoren. Noch jenseits der 100 nahm die einzigartige Zeitzeugin gern Einladungen zu Lesungen und Gesprächen wahr. Zuletzt war sie im Mai mit uns auf dem Bebelplatz, um an die Bücherverbrennung durch die Nazis zu erinnern, die sie persönlich am 10. Mai 1933 an diesem Ort erleben musste.
Wir werden Elfriede Brüning als Beraterin und Gefährtin vermissen und trauern mit ihrer Familie.

