Ein großer Verlust

DIE LINKE im Abgeordnetenhaus

Zum Tod des Regisseurs und Intendanten, Thomas Langhoff

Zum Tod des Regisseurs und ehemaligen Intendanten des Berliner Deutschen Theaters, Thomas Langhoff, erklärt der kulturpolitische Sprecher Wolfgang Brauer:

Mit tiefer Bestürzung haben wir am Wochenende vom Tod Thomas Langhoffs erfahren. Mit ihm verlor Berlin, verlor das Theater in Deutschland einen seiner ganz großen Regisseure. Als seine Arbeiten bewundernde Zuschauer haben wir ihm viel zu verdanken: Thomas Langhoff vermochte es, ohne auf den vordergründigen Affekt zu setzen, scheinbar »alten Texten« ihre Wirkungsmächtigkeit auch auf der heutigen Bühne zu entlocken. Unvergessen seine Inszenierung von Anton Tschechows »Drei Schwestern« (1979) am Maxim Gorki Theater – ein Stück, dem geradezu zwangsläufig die von ihm betreute Uraufführung von Volker Brauns »Übergangsgesellschaft« (1988) im selben Hause folgen musste. Auch seine viel zu wenig beachteten Arbeiten für den Film, vor allem die Fernsehadaptionen von Texten Theodor Fontanes und der Anna Seghers zeichnen sich wie seine Theaterarbeit durch einen für ihn typischen behutsamen Umgang mit den literarischen Vorlagen und eine von Hochachtung und Respekt vor der Persönlichkeit seiner Schauspieler geprägte Regiekultur aus.

Langhoffs Arbeiten waren immer politisches Theater im besten Sinne, auch wenn er sich von manchen Marotten des »Zeitgeistes« bewusst fernhielt. Berlin hat dem Intendanten Thomas Langhoff neben wundervollen Inszenierungen vor allem aber den Erhalt des Deutschen Theaters und der Kammerspiele in der schwierigen Zeit der Jahre von 1991 bis 2001 zu danken. Zu seinen großen kulturpolitischen Leistungen gehört auch, dass er dem jungen Team um Thomas Ostermeier mit der »Baracke« des Deutschen Theaters den für junge Künstler so wichtigen Raum zu selbstbestimmter künstlerischer Entfaltung gewährte. Die Berliner Politik hat ihm dies leider nicht immer gedankt.

Trotzdem erarbeitete Thomas Langhoff fast bis zum sprichwörtlich letzten Atemzug wunderbare Inszenierungen auch in unserer Stadt – so zuletzt am Berliner Ensemble. Die Fraktion verneigt sich vor diesem großartigen Theatermann. Er wird uns sehr fehlen. Unser tiefempfundenes Mitgefühl gilt seiner Familie und allen seinen guten Freunden.

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