Ein Projektsteuerer, der nicht steuerte
Man muss sich fragen, ob überhaupt jemand das Großvorhaben BER gesteuert hat
Zur heutigen Aussage von Christian Manninger vom Projektsteuerer WSP CBP erklärt das Mitglied im Untersuchungsausschuss BER Jutta Matuschek:
Seit zehn Jahren ist die Firma »WSP CBP Airport GmbH« der Gesamtprojektsteuer für den Bau des Flughafens. Spätestens nach der heutigen Aussage des ehemaligen Projektleiters dieser Firma muss man sich fragen, ob überhaupt jemand dieses Großvorhaben gesteuert hat. Christian Manninger erläuterte, dass der Steuerer die vertraglich geschuldeten Leistungen erbracht und welche Instrumente CBP für die Steuerung bereit gestellt habe. So habe man die Kostenentwicklung protokolliert und prognostiziert, aber die Budgetüberschreitung als Berichterstatter nicht zu verantworten.
Manningers Erklärungsversuche, warum im Controllingbericht keine »rote Ampeln« gesetzt wurde, obgleich in den Monatsberichten der Objektüberwachung für verschiedene Bereiche die Lage mit rot als sehr kritisch eingeschätzt wurden, waren allerdings nicht nachvollziehbar.
Abgesehen davon, dass dieses Berichtswesen die tatsächliche Lage auf der Baustelle dem Bauherren und den Eigentümern nicht zu vermitteln vermochte, hat der Projektsteuerer offensichtlich auch eigenständig nichts veranlasst und nichts durchgesetzt, also nicht gesteuert, sondern dem Bauherren bedeutet, dass er dieses oder jenes tun oder lassen möge. Der »Steuermann« war eher ein »Ratgeber« des Kapitäns. Allerdings ein freundlicher, der Kapitän und Eigner nicht unnötig in Aufregung versetzen wollte und bei Klippen und Kursabweichungen nicht gleich Alarm geschlagen hat, um Panik zu vermeiden.
Frage also: Wozu kauft man sich für zig Millionen einen Projektsteuerer ein, wenn diesem nicht Bauherrenfunktionen und die tatsächliche Steuerung des Projekts übertragen werden?

