Erst Nachdenken, dann reden!
Staatssekretär Renner (SPD) findet die Berliner Opernkartenpreise zu niedrig
Der kulturpolitische Sprecher Wolfgang Brauer erklärt:
Staatssekretär Tim Renner (SPD) findet die Berliner Opernkartenpreise zu niedrig und bedauert, dass die Sitzkapazität der Berliner Staatsoper mit der Münchner Oper nicht vergleichbar sei. Das mit der Sitzplatzkapazität muss man ihm nachsehen. Er kann durch die Kürze seiner bisherigen Amtszeit nicht wissen, dass die Staatsoper mit einem Ausweichquartier Vorlieb nehmen muss und deren Stammhaus Unter den Linden durch senatsbedingte Schlampereien nach wie vor eine unbespielbare Baustelle ist.
Was er aber wissen müsste ist, dass Einkommensentwicklung der Berlinerinnen und Berliner keine Preiserhöhung rechtfertigt. Sich hier auf die gestiegene Wirtschaftskraft zu berufen zeigt, dass Herr Renner inzwischen in einem sozialen Paralleluniversum lebt und diese Stadt nicht wirklich kennt. Die Opernpreise in Berlin liegen schon jetzt auf einem für viele Opernfreunde nicht mehr zu finanzierendem Niveau. Renners Idee würde eine weitere soziale Ausgrenzung weniger vermögender Schichten von Angeboten der Hochkultur zur Folge haben. Es ist paradox, weil die erheblichen Subventionen des Landes Berlin besonders von denen erbracht werden, die immer schwerer Zugang zu den mit ihren Steuern subventionierten Kulturleistungen erhalten. Die Subventionen wären so übrigens immer weniger vertretbar.
Auch kulturpolitisch zeugen Renners Pläne von absolutem Unverstand. Preiserhöhungen bei den Opern wären eine Initialzündung, der andere Einrichtungen folgen würden. Ein Blick über den eigenen Tellerrand zeigt aber, dass auch gepfefferte Eintrittspreise nicht vor dem Konkurs bewahren. Berlins Opernhäuser haben unter erheblichen Anstrengungen ihre durchschnittliche Auslastung anheben können (Deutsche Oper: 77 Prozent, Staatsoper: 83 Prozent, Komische Oper: 73 Prozent, Staatsballett: 79 Prozent). Diese Anstrengungen gilt es fortzusetzen. Herr Renner sollte seine Pläne schnellstens fallen lassen. Eine Kulturpolitik, die dermaßen elitär ausgerichtet daherkommt, hat in Berlin nach unserem Verständnis nichts zu suchen.

