Fertigstellung der Prunkfassade nicht mit Steuergeldern

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Katrin LompscherDIE LINKE im Abgeordnetenhaus

Nun fehlen zur Fertigstellung noch etliche Millionen Euro aus privaten Spenden

Die Sprecherin für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Katrin Lompscher, und der kulturpolitische Sprecher Wolfgang Brauer erklären:

Das Humboldtforum feiert Richtfest. Ein Grund zum Jubeln ist das für uns nicht. Der Palast der Republik ist in gleicher geschichtsvergessener Weise abgerissen worden wie vor 65 Jahren das kriegsbeschädigte Preußenschloss. Der Bau ist teurer als ursprünglich geplant. Nun fehlen zur Fertigstellung noch etliche Millionen Euro aus privaten Spenden.

Die Fertigstellung der preußischen Prunkfassade aus Steuergeldern lehnt die Fraktion DIE LINKE ab, eine weitere Historisierung durch Geschichtsimitate oder die Versetzung des Neptunbrunnens ebenso.

Das Humboldtforum hat ein der Zukunft zugewandtes Umfeld verdient. Dazu gehört eine Aufwertung des Vorplatzes des Staatsratsgebäudes. Der Verzicht auf den Bau einer Konzernrepräsentanz hat eine lieblos asphaltierte Freifläche hinterlassen, die nicht erst 2019 eine angemessenere Gestaltung erhalten sollte.

Entgegen aller Euphorie des Bauherrn halten wir die bisherige Nutzungskonzeption für zweifelhaft. Von der ursprünglichen Forumsidee blieb nicht mehr viel übrig. De facto wird die Mitte Berlins weiter musealisiert. Der vom Regierenden Bürgermeister angeordnete Rückzug der Zentral- und Landesbibliothek zugunsten eines stadtgeschichtlichen Rummelplatzes wird dem selbstgestellten Anspruch der Forumsgründer nicht gerecht. Aber auch die als Hauptnutzer gedachten außereuropäischen Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz – zuvörderst das Ethnologische Museum – müssen erhebliche Einschränkungen ihrer Arbeitsfähigkeit in Kauf nehmen.

Vollkommen unklar ist immer noch, wer die erheblichen Betriebskosten des Humboldt-Forums, die Rede ist von mindestens 55 Millionen Euro, aufbringt.

Nimmt man die Funktion von Architektur als Bedeutungsträger ernst, folgt dieser Bau den Wirkungsabsichten, die durch die seinerzeitigen brandenburgischen Kurfürsten mit dem Schlossbau verbunden waren: Es ist ein Pfahl im Fleische der Bürgerstadt Berlin. Hier wird Herrschaft über die Stadt und nicht eine gemeinsame Politik für die Stadt manifestiert.

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