Intendantenwechsel am Staatsballett: Ein Akt der Hilflosigkeit
Vollmundig kündete Kultursenator Michael Müller heute an
Der kulturpolitische Sprecher Wolfgang Brauer erklärt:
Vollmundig kündete Kultursenator Michael Müller (SPD) heute »neue Entwicklungen beim Staatsballett« an. Es stellte sich heraus, dass damit der lang vorausgesehene Rauswurf Nacho Duatos und die Neubesetzung seiner Stelle gemeint waren. Die jetzt vorgesehenen Ko-Intendanten Sasha Waltz und Johannes Öhmann sind honorige Persönlichkeiten mit bewunderungswürdiger künstlerischer Biographie. Eine Doppelbesetzung an der künstlerischen Spitze eines Hauses – noch dazu mit zwei sehr unterschiedlichen künstlerischen Persönlichkeiten – ist aber immer problematisch und scheitert in der Regel.
Dazu kommt, dass das Berliner Staatsballett in den Jahren seit seiner Gründung – nicht zuletzt durch Künstlerpersönlichkeiten wie Vladimir Malakhov, Polina Semjonova und Nadja Saidakova – eine deutliche Profilierung auf das klassische und semiklassische Repertoire erhielt. Diese Profilierungsrichtung wurde oft kritisiert, von der regierenden Kulturpolitik aber immer verteidigt. Es ist für den Bestand der Compagnie gefährlich, diese durch leichtfertige permanente Intendantenwechsel zu gefährden.
Die Entscheidung für Sasha Waltz verwundert allerdings, da der Berliner Senat sich bislang immer geweigert hatte, die Compagnie von Sasha Waltz mit einer ausreichenden Fördersumme auszustatten. Es steht zu befürchten, dass diese Entscheidung eher sachfremden, haushaltspolitischen Gründen geschuldet ist. Sasha Waltz und dem modernen Tanz ist damit nicht gedient.
Wir wünschen Sasha Waltz und Johannes Öhmann eine glückliche Hand für ihre neue Aufgabe. Wir erwarten, dass der Intendantenwechsel seitens der Leitung von Staatsballett und Opernstiftung nicht dazu missbraucht wird, missliebige Tänzerinnen und Tänzer aus der Compagnie zu entfernen.

