Kein Abriss des Atelierhauses!
Atelierhaus Prenzlauer Promenade steht offenbar Investoreninteressen im Wege
Zu den bekannt gewordenen Plänen des Finanzsenators, das Atelierhaus Prenzlauer Berg abreißen zu lassen, erklärt der kulturpolitische Sprecher Wolfgang Brauer:
Der Senat von Berlin schmückt sich gern mit dem selbst verliehenen Attribut, dass die Stadt »Welthauptstadt der zeitgenössischen Kunst« sei. In der Realität setzt sich ein anderes Bild durch: Während mehrstellige Millionensummen immer wieder zum Aufpolieren musealer Bestände offenbar ohne größere Probleme »gefunden« werden können, stehen proportional immer weniger Mittel zur Förderung der zeitgenössischen Künste zur Verfügung. Statt Auf- und Ausbau dominiert der Abriss.
Noch nicht vergessen ist das Trauerspiel um das Kunsthaus »Tacheles«, das Privatinvestoreninteressen weichen musste. Am Dahlemer Käuzchensteig wurden zehn Ateliers für ein Bildhauermuseum zerstört. Der Fotogalerie c/o konnte erst nach langem Hin und Her ein Ausweichstandort angeboten werden. Das Atelierhaus Monbijoupark wird abgerissen werden. Selbst der Denkmalschutz für ein weltweit beachtetes Monument politisch eingreifender bildender Kunst, die East Side Gallery, ist offenbar gegenüber Investorenbegehrlichkeiten nichts wert.
Jetzt wird bekannt, dass die insgesamt 90 Ateliers im Atelierhaus Prenzlauer Promenade verschwinden sollen. Das ehemalige Bürohaus der Akademie der Wissenschaften der DDR steht offenbar ebenfalls Investoreninteressen im Wege. Diese Pläne müssen gestoppt werden! Wir schlagen vor, die Immobilie des Atelierhauses gesondert von der möglichen Entwicklung des umliegenden Areals zu betrachten und für die Entwicklung von Modellen eines dauerhaften Erhalts dieses Standortes einen Runden Tisch aller potenziell Beteiligten einzuberufen. Bis dahin ist ein Räumungs- und Abrissmoratorium zu verhängen!
Die Linksfraktion will angesichts der bedrohlichen Situation die dringliche Behandlung des Themas im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses.

