Kein »historischer Moment«, sondern längst überfällige Konsequenz
Konzept »Mehr Ärzte in Problembezirke« angeblich neu
Zum angeblich neuen Konzept »Mehr Ärzte in Problembezirke« erklärt der gesundheitspolitische Sprecher Wolfgang Albers:
Bereits seit dem 1.1.2012 gilt bundesweit die neue Zulassungsverordnung für Ärzte. Danach darf der Zulassungsausschuss, den Krankenkassen und Kassenärzte besetzen, den Antrag eines Vertragsarztes auf Verlegung seines Vertragsarztsitzes nur genehmigen, wenn Gründe der vertragsärztlichen Versorgung dem nicht entgegenstehen.
Das ist das Instrument, das auch in Berlin endlich konsequent einzusetzen wäre. Dabei ist selbstverständlich schon heute die genaue Betrachtung des jeweiligen Sozialraumes in die Entscheidung einzubeziehen.
Insofern sind die Vereinbarungen des sogenannten »Gemeinsamen Landesgremiums«, dem nach wie vor jede eigene Verbindlichkeit fehlt, lediglich die überfällige Übernahme längst geltender Regelungen.
In den überversorgten Gebieten wird das Stück des Kuchens, das es zu verteilen gilt, mittlerweile mit jedem Praxiszuzug kleiner. Das ist der ökonomische Hintergrund des vermeintlichen »Umschwenkens« der KV-Funktionäre.
Die geplante Verlegung der Arztsitze aus dem »Haus der Gesundheit« in Mitte dürfte angesichts der Altersstruktur der bisher dort betreuten Patienten die Nagelprobe werden, welche Rolle zukünftig »soziale Indikatoren« bei der Genehmigung von Praxisverlegungen spielen werden.
Dort wird sich beweisen, ob es sich bei den Ankündigungen, die Versorgungssituation in der Stadt durch eine »gerechtere Verteilung« der Arztpraxen zu verbessern, um wohlfeile Absichtserklärungen oder patientenorientierte Gesundheitspolitik handelt.

