Mehr Aufklärung zum Thema Genitalverstümmelung notwendig

DIE LINKE im Abgeordnetenhaus

Zum Internationalen Tag gegen Genitalverstümmelung

Zum Internationalen Tag gegen Genitalverstümmelung am 6. Februar 2012 erklärt die frauen- und entwicklungspolitische Sprecherin Evrim Sommer:

Jährlich sterben 5.000 Mädchen an den Folgen von Genitalverstümmelung, wie sie immer noch in Teilen Afrikas praktiziert wird. Aber auch in Europa sind junge Mädchen von dieser grausamen Tradition betroffen. Nach Schätzungen sind in Deutschland bis zu 30.000 Mädchen aus Einwandererfamilien davon bedroht. Obwohl die weibliche Genitalverstümmelung seit 1993 offiziell eine Menschenrechtsverletzung ist, in Europa und in vielen afrikanischen Staaten unter Strafe steht, wird sie weiterhin praktiziert. Die Angst betroffener Mädchen vor Urlaubsreisen ins Heimatland der Eltern und Großeltern ist nicht unbegründet.

Gesetze allein sind wirkungslos, wenn eine wirksame Aufklärungsarbeit nicht erfolgt. Wir wollen, dass Berliner Schulen und Kindereinrichtungen entsprechend sensibilisiert werden. Gleichzeitig müssen Multiplikatoren unterstützt werden, die die sozialen Hierarchien und Gepflogenheiten afrikanischer Familien kennen und entsprechende Aufklärungsarbeit leisten. Der Kampf gegen Genitalverstümmelung muss darüber hinaus ein fester Bestandteil der entwicklungspolitischen Arbeit deutschen Organisationen werden.

2009 wurde eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Beendigung weiblicher Genitalverstümmlung gegründet. Gemeinsam mit Nichtregierungsorganisationen sollte in dieser Arbeitsgruppe ein Maßnahmenkatalog zum Schutz gefährdeter Mädchen in Deutschland und in ihren Herkunftsländern entwickelt werden. 2010 zog sich das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) aus der Koordinierung dieser Arbeitsgruppe zurück. Wir fordern den Berliner Senat auf, sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass die Arbeitsgruppe ihre Tätigkeit wieder aufnimmt und zeitnah ein Nationaler Aktionsplan zum Schutz gefährdeter Mädchen erstellt wird.