Statt flächendeckenden Vergleichsarbeiten brauchen Schüler*innen gut qualifizierte Lehrkräfte und Lernbedingungen!

Zur Qualitätsstrategie der Bildungsverwaltung, die Bildungssenatorin Günther-Wünsch gestern vorgestellt hat, kommentiert Franziska Brychcy, bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus:

„Noch mehr flächendeckende Lernstandserhebungen allein werden die Bildungsqualität nicht erhöhen. Die wichtigsten Einflussfaktoren auf den Lernfortschritt sind die Qualifikation der Lehrkräfte sowie mehr Zeit für individuelle Förderung der Schüler*innen und Beziehungsarbeit.

Ausgerechnet bei der Lehrkräftebildung jedoch nimmt die schwarz-rote Koalition katastrophale Einschnitte vor: Die Hochschulen erhalten bis 2028 insgesamt 850 Mio. EUR weniger als geplant. Die Sonderprogramme für Lehrkräftebildung im Umfang von insgesamt 38 Mio. EUR im kommenden Doppelhaushalt 2026/27 werden von CDU und SPD komplett gestrichen.

Die Anzahl der Lehramtsabsolvent*innen war gerade leicht auf 1.369 (2025) angestiegen, gebraucht werden jedoch mindestens 3.000 Absolvent*innen pro Jahr. Mit den Kürzungen in der Lehrkräftebildung rückt dieses Ziel in weite Ferne.

Für gute Lernbedingungen braucht es individuelle Begleitung der Schüler*innen und Zeit für Beziehungsarbeit. Die Senatorin hatte zum Auftakt der Gespräche mit der GEW angekündigt, Entlastungsmechanismen zu vereinbaren. Die Pädagog*innen erwarten zu Recht schnell konkrete Ergebnisse. Über 1.000 voll ausgebildete Lehrkräfte gehen unseren Schulen derzeit jedes Jahr durch Kündigungen verloren – und das lange vor dem Ruhestandsalter. Der Senat steht in Verantwortung, hier gegenzusteuern und für Entlastung und damit bessere Arbeits- und Lernbedingungen zu sorgen. 

Der alleinige Fokus auf die Kernkompetenzen in Deutsch und Mathematik ist unzureichend. Die Aufgabe von Schule besteht in der umfassenden Persönlichkeitsbildung. Die Reduzierung des aktuellen Senats auf Rechnen, Schreiben, Lesen und damit verbunden die Auseinandersetzungen um die Finanzierung von Angeboten außerschulischer Bildungsträger, um die Gebührenfreiheit und die Neuregelung des Zugangs zum Gymnasium haben die Bildungsqualität an den Berliner Schulen jedenfalls nicht verbessert.”