Numerus clausus kippen, Zulassung reformieren

DIE LINKE im Abgeordnetenhaus

Die Medizin braucht nicht nur brillante Denker und Forscher

Zu der Forderung des Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, Prof. Joachim Jähne, die Medizinstudium-Zulassung zu reformieren und dem Numerus clausus dabei weniger Gewicht zu geben, erklärt der gesundheitspolitische Sprecher Dr. Wolfgang Albers:

Endlich melden sich die Praktiker zu Wort und fordern eine teilweise Revision der Zulassungsbedingungen bei der Auswahl der Medizinstudierenden. Die Medizin braucht in der Tat nicht nur brillante Denker und Forscher, sondern auch handwerkliche Talente und Menschen mit ausgeprägten sozialen und kommunikativen Kompetenzen.

Es ist absurd, dass bereits die Auswahl der Fächerkombination in der 10. Klasse mitentscheidend für die Zulassungschancen zum späteren Medizinstudium sein soll, und es ist noch absurder, dass entsprechende Berufserfahrungen wie eine dreijährige Ausbildung in einem medizinischen Assistenzberuf darauf keinen Einfluss haben.

Die Hochschulen haben die Möglichkeit, 60 Prozent der Studienplätze über ein eigenes Auswahlverfahren zu vergeben. Das besteht in der Regel dann ebenfalls darin, sich einzig an der Durchschnittsnote des Abiturs zu orientieren. Das ist nicht der Sinn einer solchen Regelung.

Die Berliner Charité verfährt leider ebenso und vergibt damit eine große Chance, nach der Reform des Medizinstudienganges auch bei der Zulassung innovative Wege zu gehen.

Wenn das so bleibt, ist ein politischer Einschnitt in die Entscheidungsbefugnis der Hochschulen bei dem Auswahlverfahren nötig, um durch die Vorgabe von Kriterien das durchzusetzen, was gesundheitspolitisch geboten und für eine bessere Auswahl der zukünftigen Ärztinnen und Ärzte vernünftig ist.

Bewerber, die ihr Interesse und ihr Engagement durch vorgeschaltete Praktika in den Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen bewiesen haben oder die bereits Berufserfahrung durch eine Ausbildung in medizinischen Berufen sammeln konnten, müssen einfach eine größere Chance auf ihren begehrten Studienplatz haben.

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