Realitätsfern, konfliktscheu und entscheidungsängstlich
Körtgen war offensichtlich nicht in der Lage, seiner Verantwortung gerecht zu werden
Das Mitglied im BER-Untersuchungsausschuss Jutta Matuschek erklärt:
Die zweite Zeugenbefragung von Manfred Körtgen verstärkt den Eindruck einer systematischen und andauernden Realitätsverweigerung des für die Errichtung des BER verantwortlichen technischen Geschäftsführers. Er beharrte darauf, dass er vom Projektsteuerer und vom Generalplaner nicht über eine den Eröffnungstermin gefährdende Situation informiert worden sei.
Tatsächlich bestand bereits seit Ende 2011 auf Grund von Planungsdefiziten in der Sicherheitstechnik und vor allem von Baurückständen keine realistische Aussicht mehr auf die Fertigstellung des Flughafens zum 03. Juni 2012. Warum von der gravierenden Entscheidung der FBB, angesichts der aussichtslosen Situation eine »Inbetriebnahme vor Fertigstellung« bzw. eine Teilinbetriebnahme anzustreben und beim Bauordnungsamt zu beantragen, der Aufsichtsrat erst in der Aufsichtsratssitzung am 20. April eher beiläufig informiert wurde, ohne das gravierende Risiko für die geplante Eröffnung deutlich zu machen, konnte Dr. Körtgen nicht beantworten.
Obgleich Herr Dr. Körtgen an den Beratungen mit dem Bauordnungsamt zum Antrag auf Inbetriebnahme vor Fertigstellung teilgenommen hatte, kann er offenbar bis zum heutigen Tage die Bedeutung des Vorgangs nicht einschätzen. Er geht immer noch davon aus, dass eine bessere Antragstellung auch eine Genehmigung für eine Teilinbetriebnahme mit den vielen Provisorien und unfertigen Anlagen zur Folge gehabt hätte. Die frühzeitigen Warnungen des Bauordnungsamtes hatte er offenbar in ihrer Bedeutung nicht realisiert.
Herr Dr. Körtgen war offensichtlich nicht in der Lage, seiner Verantwortung gerecht zu werden, das Bauvorhaben zur Fertigstellung zu führen. Er verstand und versteht sich mehr als dessen Moderator denn als Leiter und schob Entscheidungsverantwortung in Systeme und Diskurse ab. Er wollte nicht Neinsager gelten und brachte damit das Vorhaben BER in Schieflage.

