»Sojus«-Entscheidung ignoriert Bürgerwillen
Abriss des Kinos und Bau einer REWE-Kaufhalle mit anliegenden Parkflächen
Zum geplanten Abriss des Kinos »Sojus« in Marzahn erklären Regina Kittler, Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin und Björn Tielebein, Fraktionsvorsitzender der Fraktion DIE LINKE in der BVV Marzahn-Hellersdorf:
Nach dem Willen des CDU-Stadtrats Christian Gräff soll es am Standort des Kino Sojus keine kulturelle Nutzung mehr geben. Damit verschwindet nicht nur ein Ort, der für viele Marzahner Einwohnerinnen und Einwohner mit guten Erinnerungen und Geschichte verbunden ist.
Mit der Entscheidung werden auch die vielfältigen Vorschläge ignoriert, die im Frühjahr 2015 von Bürger*innen, Kulturschaffenden und Vertreter*innen freier Träger in einem Workshop zur Zukunft des »Sojus« für eine kulturelle Nutzung entwickelt wurden. Schon in einer von der Linksfraktion im alten Rathaus Marzahn organisierten Bürger*innenversammlung, an der auch der Architekt Prof. Wolf R. Eisentraut teilnahm, äußerten zahlreiche Anwohner*innen, dass sie eine weitere Kaufhalle nicht brauchen, Kultur aber sehr wohl.
Die BVV von Marzahn-Hellersdorf fasste im Mai 2015 mit den Stimmen aller Fraktionen den Beschluss, das Bezirksamt zu beauftragen, eine kulturelle Nutzung des ehemaligen Kino Sojus zu prüfen. Mit dem Beschluss wurde auch dem Bürgerhaushaltsvorschlag für eine weitere Nutzung des Hauses, der im Stadtteil Marzahn-Süd die meisten Punkte erhielt, Rechnung getragen. Das Ergebnis der Prüfung ist den Bezirksverordneten nicht mitgeteilt worden, der zuständige Stadtrat Christian Gräff (CDU) hatte das offensichtlich nie ernsthaft in Erwägung gezogen.
Nun sind der Abriss des Kinos, der Bau einer REWE-Kaufhalle mit anliegenden Parkflächen, eines Pflegewohnheims mit betreutem und stationärem Wohnen sowie der Bau eines Parkhauses über vier Ebenen geplant.
DIE LINKE bleibt bei ihren Forderungen:
- Das dicht besiedelte Wohngebiet um den Helene-Weigel-Platz braucht kulturelle Angebote. Dafür muss zukünftig verstärkt das alte Rathaus Marzahn am Helene-Weigel-Platz genutzt werden. Nach der Sanierung sollte auch der Ratskeller wieder zugänglich und offen für Kultur sein.
- Die Parksituation für die Anwohner*innen darf sich nicht verschlechtern. Dazu muss auch ernsthaft geprüft werden, ob der Bezirk, möglicherweise gemeinsam mit der Wohnungsbaugesellschaft degewo, das Parkhaus betreibt.
- Eine Versorgung mit einer Verkaufsstelle an der Marchwitzastraße muss unbedingt gesichert bleiben, um vor allem den älteren Anwohner*innen weite Wege zu ersparen und der mit dem geplanten Neubau durch die degewo noch wachsenden Einwohnerzahl zu entsprechen.
- Am neu gebauten Haus soll in geeigneter Weise an das Kino Sojus erinnert werden, mindestens durch den Erhalt des Schriftzuges.

