Staatsoper: Aus Wunschkonzert wurde aufgeblähtes Bedarfsprogramm
Erhebliche Kommunikationsdefizite zwischen allen Beteiligten
Zur Vernehmung der Zeugen Wolfgang Abramowski, bis 2006 Leiter des Referats Grundsatzangelegenheiten der Senatskulturverwaltung, und Georg Vierthaler, bis April 2008 Geschäftsführerender Direktor der Staatsoper, erklärt der Sprecher im Untersuchungsausschuss Wolfgang Brauer:
Spätestens 2001 war allen Beteiligten klar, dass die Betriebssicherheit der Staatsoper gefährdet war. Die daraufhin vorgenommene, auch von Wolfgang Abramowski bestätigte Sanierungsplanung sah lediglich Maßnahmen zur Gewährleistung der Betriebssicherheit vor. Zu diesen kam es bis 2006 nicht, da die Finanzierung nicht sichergestellt war. Mit der Beteiligungszusage des Bundes – die durch das Mitfinanzierungsversprechen seitens des Freundeskreises erreicht wurde – verwandelte sich der Wunschkatalog des Nutzers Staatsoper in ein vergleichsweise aufgeblähtes Bedarfsprogramm.
Der Zeuge Vierthaler räumte ein, dass man auf der auch von ihm als »vage« eingeschätzten Finanzierungszusage keine Finanzierungsplanung hätte aufbauen dürfen. Auch der immer wieder als Druckmittel benutzte Wiedereröffnungstermin kam nicht auf Druck der Oper zustande.
Die Vernehmung beider Zeugen brachte erhebliche Kommunikationsdefizite zwischen allen Beteiligten zutage, die sich verhängnisvoll auf die notwendige Bauplanung auswirkte. Diese erfolgte zumindest in Teilen auf der Basis allgemein formulierter Wunschkataloge. Für das jeden Kostenrahmen sprengende »Unterirdische Bauwerk« gab es zu keinen Zeitpunkt eine Wirtschaftlichkeitsanalyse, die dessen Notwendigkeit hätte begründen können. Eine solche war nach Darstellung Herrn Vierthalers für die Oper selbst nebensächlich. Diese war lediglich an einer Verbesserung ihrer Betriebsabläufe interessiert. Die Solidität der Kostenplanungen war Sache des Bauherren und der bauplanenden Bereiche, die auf diesem Feld offenbar komplett versagten.

