Weiter gegen das Vergessen lesen
Am 10. Mai auf dem Berliner Bebelplatz
Der kulturpolitische Sprecher Wolfgang Brauer erklärt:
Anlässlich des »Welttages des Buches« fanden auch in Berlin wieder zahlreiche Leseveranstaltungen und Begegnungen mit Autorinnen und Autoren statt. In diesem Zusammenhang möchten wir daran erinnern, dass das freie Wort an vielen Orten der Welt noch immer verfolgt und unterdrückt wird. Daher ruft die Fraktion der Linkspartei auch in diesem Jahr wieder für den 10. Mai auf dem Berliner Bebelplatz zur Aktion »Lesen gegen das Vergessen« auf.
Der Berliner Bebelplatz ist für die Freiheit des dichterischen Wortes ein zutiefst symbolischer Ort: Hier verbrannten am 10. Mai 1933 die Nazis ebenso wie in anderen Städten Deutschlands die Werke von Geistesschaffenden mit Weltrang. Dieser barbarische Gewaltakt war nur der Auftakt für immer länger werdende Verbotslisten, für Zensur und Verfolgung. Er war ein weiterer Schritt auf dem Weg hin zur Diktatur und in den Krieg.
Der 10. Mai ist uns erneut Anlass, die Bücher der Verfolgten in die Hand zu nehmen und darin zu lesen. Das öffentliche Lesen von 10 bis 13 Uhr soll an das ungeheuerliche Geschehen erinnern. Wir wollen dazu beitragen, dass solches nie wieder geschehen kann.
Schülerinnen und Schüler Berliner Schulen beginnen auch die diesjährige Leseaktion mit einem eigenständigen Projekt »Gegen das Vergessen«. In einer Zeit, in der sich Nazis wieder getrauen, das »Tagebuch der Anne Frank« auf öffentlichen Veranstaltungen zu verbrennen, rufen wir alle Freunde der Literatur auf, am Ursprungsort brauner Bücherverbrennung ein deutliches Zeichen gegen die Barbarei zu setzen.

