Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

Wohnungen dienen Vonovia nur zur Renditemaximierung

Studie veröffentlicht

Die Geschäftspraxis des Wohnungskonzerns Vonovia SE steht immer wieder in der Kritik. Daher haben die Linksfraktionen im Bundestag, im Berliner Abgeordnetenhaus und im hessischen Landtag gemeinsam eine Studie zum Unternehmen bei Professor Heinz-J. Bontrup in Auftrag gegeben. Es handelt sich dabei um die Fortführung der Untersuchungen, die wir im vergangenen Jahr bereits zur Deutschen Wohnen AG vorgestellt haben (siehe unten).

Das Gutachten zeigt eindeutig, dass Vonovia kein Wohnungsunternehmen im klassischen Sinne, sondern vielmehr ein Finanzinvestor mit angeschlossener Immobilienwirtschaft ist. Wohnungen dienen dem Konzern ausschließlich zur Renditemaximierung und nicht dem Zweck der Wohnraumversorgung. Die Mieterinnen und Mieter bekommen dies an vielen Stellen zu spüren: Saftige Mieterhöhungen, überteuerte und überflüssige Modernisierungen sowie überhöhte Nebenkostenabrechnungen sind nur einige der zahlreichen Mittel, die Vonovia nutzt, um die Gewinne zu erhöhen. Als größter deutscher Immobilienkonzern mit 350.000 Wohnungen besitzt Vonovia in manchen Regionen eine enorme Marktmacht und ist einer der Haupttreiber des Mietenwahnsinns. "Vonovia agiert rücksichtslos", sagt auch die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linksfraktion im Bundestag Caren Lay. "Der Finanzkonzern muss daher in die Schranken gewiesen werden. Die Rechte der Mieterinnen und Mieter dürfen nicht länger den Profitinteressen der Konzerne geopfert werden. Wohnen ist keine Ware."

Für die Aktionäre ist das Geschäft von Vonovia äußerst lukrativ. Über 1,9 Milliarden Euro Dividende wurden seit 2012 ausgeschüttet. Allein im Jahr 2017 ungefähr 640 Millionen Euro. Dies ist eine gigantische Umverteilung von unten nach oben. Jede Mieterhöhung und jede Modernisierung kommt letztlich den Aktionären zu Gute – gezahlt wird die Rechnung von den Mieterinnen und Mietern. Gleichzeitig zeigt das Gutachten, wie riskant das Geschäftsmodell von Vonovia ist. Endet der Immobilienboom oder steigen die Zinsen, kann die Existenz des Unternehmens gefährdet sein.

Katalin Gennburg, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Linksfraktion Berlin ergänzt: „Vonovia besitzt in Berlin mittlerweile fast 40.000 Wohnungen und ist in den letzten Jahren immer wieder negativ aufgefallen. Mir sind zahlreiche Beispiele bekannt, in denen die Mieterinnen und Mieter die Geschäftspraxis der Vonovia massiv kritisieren. Das Gutachten zeigt noch einmal eindrucksvoll auf, mit welchen Mechanismen Vonovia arbeitet. Der Gesetzgeber muss hier endlich eingreifen und weitere Milliardenprofite mit der Miete unterbinden.“

Gutachterliche Stellungnahme zur Vonovia SE

Prof. Heinz-J. Bontrup

Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Deutsche Wohnen AG

Der Immobilienkonzern "Deutsche Wohnen AG" ist mit mehr als 100.000 Wohnungen in Berlin einer der größten Anbieter auf dem Berliner Mietenmarkt. Nicht erst in der jüngeren Zeit sorgte die "Deutsche Wohnen AG" häufiger für Schlagzeilen, sei es, weil sie versuchte, den Mietspiegel juristisch anzugreifen oder aufgrund von Beschwerden über mangelnde Instandhaltung und überdurchschnittlich hohe Betriebskosten in ihren Beständen. Zudem steht sie in dem Ruf, jeglichen Spielraum für Mieterhöhungen konsequent auszunutzen. Grund genug sich mit dem Konzern und insbesondere mit seiner Unternehmens- und Finanzierungsstrategie intensiver auseinanderzusetzen. Bereits im vergangenen Jahr haben die Linksfraktionen im Berliner Abgeordnetenhaus und im Deutschen Bundestag daher eine gutachterliche Stellungnahme zu den wirtschaftlichen Verhältnissen des Immobilienkonzerns bei dem Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. rer. pol. Heinz-J. Bontrup (Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen) in Auftrag gegeben, die jetzt veröffentlich wurde. Bontrup legt in dem Gutachten dar, dass sich die große Steigerung der Gewinne der Deutsche Wohnen in den letzten Jahren vor allem aus einer Umstellung der Bilanztechnik, der sogenannten Fair-Value-Anpassung, ergibt. Immobilien werden dabei nicht mehr zum Kaufpreis, sondern zum geschätzten Marktwert in der Bilanz verbucht, wodurch diese wächst. Aus diesen Bewertungsgewinnen resultiert dann auch eine hohe Dividendenausschüttung an die Aktionäre. Vergleicht man die Dividendenausschüttung mit dem Ergebnis ohne den Bewertungsgewinn, waren die in 2014 und 2015 vorgenommenen Ausschüttungen laut Bontrup eindeutig zu hoch. Wenn der Konzern die Aktionäre nicht enttäuschen und auch weiterhin hohe Dividenden ausschütten will, selbst wenn die Fair-Value-Anpassung beendet ist, könne das nur durch eine aggressive Politik der Mietsteigerungen bei gleichzeitig geringen Investitionen in die Wohnungsbestände umgesetzt werden. Von dieser Geschäftspolitik profitieren die Aktionäre, den Preis dafür zahlen aber die Mieterinnen und Mieter.

Gutachterliche Stellungnahme zur Deutsche Wohnen AG

Prof. Heinz-J. Bontrup


Kontakt