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Enja Springob

direkt gewählt im Wahlkreis 5, Pankow

Zur Person:

1. Was hat Dich in die Politik gebracht?

Ich bin im Ruhrgebiet aufgewachsen. Dort lernt man früh: Harte Arbeit schützt dich nicht, wenn Politik an den Menschen vorbei entscheidet.

Nach Berlin kam ich für die Kultur. Und dort hörte ich immer wieder denselben Satz: „Dafür ist kein Geld da." Er kam nie von jemandem, der ihn selbst zu verantworten hatte. Er kam von oben, als wäre er ein Naturereignis.

Ich wollte wissen, wo er herkommt. Also habe ich eine Ausbildung im öffentlichen Dienst angefangen und habe im Haushaltsbereich von Land und Bund gearbeitet, in der Ausführung, Aufstellung, in der Prüfung.

Man kann in der Verwaltung viel erreichen, wenn man hartnäckig ist. Aber ob z.B. die Zuwendungen für freie Träger um zwölf Prozent gekürzt werden, darüber entscheidet nicht die Verwaltung, sondern das Parlament.

Deshalb bin ich in die Politik gegangen. Um mitzuentscheiden, was geht. Denn soziale Gerechtigkeit verspricht man nicht. Man erkämpft sie im Haushalt.

2. Was ist Deine Vision von Berlin?

Berlin muss bezahlbar sein. Für alle, die hier leben, ob hier geboren oder zugezogen. 

Das ist möglich. Es ist eine Frage des Geldes, und darüber muss man ehrlich reden. Wer nur umschichtet, verteilt den Mangel um. Berlin hat aber kein Ausgabenproblem, sondern ein Einnahme- und ein Durchsetzungsproblem. Das sind Hunderte Millionen, die liegen bleiben, weil jemand entschieden hat, sie liegen zu lassen.

Meine Vision ist deshalb eine Stadt, die sich etwas leisten kann, weil sie sich traut, die Einnahmen zu holen, die ihr zustehen. Für soziale Infrastruktur, für Schulen, für unsere Kieze, statt für Prestigeprojekte.

3. Welche Geschichte einer Berlinerin oder eines Berliners hat Dich bewegt?

An einem Infostand habe ich einen jungen Mann kennengelernt. Er kam direkt vom Jobcenter, mit viel Wut im Bauch — auf alles. Sein Satz: „Es wird doch nur Geld rausgeschmissen.“

Ich habe gefragt, warum.

Er hat einen Förderschulabschluss und mehr als 50 Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz abgeschickt. Keine einzige Antwort. Nicht mal eine Absage. Stattdessen eine Maßnahme nach der anderen … Berufsvorbereitung, Bewerbungstraining.

Da verstand ich seinen Satz. Für seine Maßnahmen wird Geld ausgegeben. Aber er hat nicht nach Maßnahmen gefragt. Er hat nach einem Ausbildungsplatz gefragt.

Damit ist er nicht allein. In Berlin gibt es seit Jahren deutlich mehr Bewerbungen als Ausbildungsplätze. Dass der Markt das löst, ist nicht zu erwarten.

Jeder junge Mensch, der eine Ausbildung will, soll auch eine bekommen. Kein Bewerbungstraining für eine Stelle, die es nicht gibt.

Kontakt

Im Abgeordnetenhaus:
springob@linksfraktion.berlin

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