„LieFair Berlin“ - Berliner Gütesiegel für faire Lieferarbeit

Schätzungsweise 10.000 bis 15.000 Menschen arbeiten in Berlin für Lieferplattformen, verteilt auf über 400 Unternehmen, viele davon verschachtelt in undurchsichtigen Subunternehmerketten. Zehn bis fünfzehn Auslieferungen bekommt ein Rider am Tag zugeteilt, gesteuert von Algorithmen, die keine Pause kennen.

Das Fairwork-Projekt, angesiedelt am Oxford Internet Institute und am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) hat die Arbeitsbedingungen von plattformbasierten Lieferdiensten in Deutschland untersucht. Kein einziger konnte 2025 nachweisen, dass er seinen Fahrer*innen ausreichenden Unfallschutz, geeignete Schutzausrüstung und Schulungen bietet. Kein einziger konnte nachweisen, dass er einen existenzsichernden Lohn zahlt. In Berlin wären das mindestens 15,40 Euro brutto die Stunde. Die meisten zahlen weniger.

Anlässlich des heutigen Welttags für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz hat die Linksfraktion heute zusammen mit Vertreter*innen des Betriebsrats von Lieferando sowie einem Vertreter von Fairwork ein Konzept für ein Berliner Gütesiegel für faire Lieferarbeit „LieFair Berlin“ vorgestellt. Mit diesem sollen Lieferdienste mit guten Arbeitsbedingungen für die Verbraucher*innen sichtbar und von denen mit unzureichenden unterscheidbar gemacht werden. Hierfür werden diese alle zwei Jahre durch das Landesamt für Arbeitsschutz (LaGetSi) geprüft.

Hierzu erklärt die stellvertretende Vorsitzende der Fraktion Die Linke, Elif Eralp:

„Wir bestellen alle mehr als früher. Nicht nur abends die Pizza, auch den Wocheneinkauf, das Paket, das Medikament. Die Stadt liefert. Aber die, die liefern, tragen sie auf dem Rücken. 10.000 bis 15.000 Menschen fahren täglich für uns durch diese Stadt und wissen am Ende des Monats oft nicht, was auf dem Konto landet. Viele von ihnen kommen aus Indien, mit Schulden, mit einem Visum, das an ihrem Job hängt. Sie können nicht einfach kündigen. Sie können nicht einfach klagen. Weil sie dann vielleicht auch noch ihr Bleiberecht verlieren. Das ändere ich. Dafür werde ich LieFair Berlin einführen. Jeder Mensch, der in dieser Stadt arbeitet, soll von dieser Stadt fair behandelt werden. Das ist keine linke Forderung. Das ist Anstand.“