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Nach Corona: Wie weiter in der Bildung?

Positionspapier der bildungspolitischen Sprecherinnen der Linksfraktionen des Berliner Abgeordnetenhauses und des Brandenburger Landtages Regina Kittler und Kathrin Dannenberg

Geht es „nur“ um Lernrückstände oder Aufholjagd? Geht es nur um Kontrollen, Tests und darum, ein Zeugnis erteilen zu können?
Oder um was muss es eigentlich gehen? Es geht um Lernzeit, nicht um Testzeit! Und es geht um Schule als sozialen Raum!

Schüler:innen, die diese zwei Corona-bestimmten Schuljahre durchlebt haben, hatten und haben es viel schwerer als Schüler:innen vor und nach ihnen. Sie hatten Erlebnisse und haben Erfahrungen gesammelt, Kompetenzen erworben, die sie, wenn sie die entsprechende Hilfe bekommen, stark fürs Leben machen. Diese Schuljahre sind keine verlorenen Jahre, auch wenn das immer wieder in der Öffentlichkeit behauptet wird! Schüler:innen, die in ihnen ihre Schulabschlüsse geschafft haben, haben Besonderes geleistet! Das müssen wir ihnen und der Gesellschaft vermitteln!

Was müssen Bildungssenat und Bildungsministerium nun leisten?
  • Zunächst müssen die Leistungen von Schulleitungen, Lehrkräften, Erzieher:innen und Schulsozialarbeiter:innen, Schulhelfer:innen, Pädagogischen Unterrichtshilfen, IT-Fachkräften und Hausmeister:innen, Reinigungskräften, also allen Beschäftigten an Schulen öffentliche Anerkennung finden!
  • Ebenso müssen die Anstrengungen der Schüler:innen und ihrer Eltern öffentlich gewürdigt werden!
  • Es muss alles dafür getan werden, dass für alle Lehrenden und Lernenden die Schule ein sicherer Arbeits- und Lernort wird! Um ein Wiederaufflammen von Corona zu verhindern, müssen den Beschäftigten und Schüler:innen bis zur möglichen (Durch-)Impfung Masken, Händedesinfektionsmittel und Covid-Tests in ausreichender Menge zur Verfügung gestellt werden sowie die zusätzlich ergriffenen Maßnahmen zur tagesaktuellen Reinigung beibehalten werden. Zusätzlich müssen mobile oder feste Luftfilteranlagen zur Grundausstattung jeder Schule gehören.
  • Für alle Beschäftigten ist konsequent und zügig ein Impfschutz sicherzustellen. Für alle Eltern, die ihre Kinder impfen lassen möchten, ist bei Bedarf eine gute Beratung im Vorfeld zu ermöglichen. Schüler:innen ab dem 12. Lebensjahr und ihren Eltern soll über Impfbusse eine Impfangebot an den Schulen gemacht werden.
  • Schüler:innen und das pädagogische Personal brauchen Zeit, zu lernen, zu wiederholen, zu üben, Zeit für Projekte und individuelle Förderung. Deshalb sind Mindeststandards aus dem gemeinsamen Rahmenlehrplan für jedes Fach und jeden Jahrgang, die im laufenden und kommenden Schuljahr erreicht werden müssen, durch den Senat/das Ministerium festzulegen. Nur auf dieser Grundlage können Lehrkräfte und ihre Gremien entsprechend ihrer individuellen Situation die schulinternen Curricula überarbeiten und ein angepasstes Nachholen und Fördern planen. Je nach Situation sollten dafür bis zu zwei Jahre Zeit gelassen werden.
  • Für einen erfolgreichen Unterricht und ergänzende Förderung und Betreuung brauchen die Schulen ein personelles Unterstützungssystem. Daher sind zusätzliche Lehrkräfte, Erzieher:innen und weiteres Personal nicht für zwei Jahre begrenzt, sondern langfristig einzustellen. Das ist auch ein Gebot des mangelhaften Fachkräftereservoirs und zu erwartender Pensionierungen von Fachkräften.
  • Für dauerhafte und temporäre Projekte im Rahmen des Ganztags sollen Künstler:innen und außerschulischen Bildungs-, Kultur- und Freizeitpartnern, wie z.B. Sportvereine, Bibliotheken, Theater, Museen, Galerien und Gedenkorte Möglichkeiten geboten werden, in und außerhalb von Schulen mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. Außerschulische Lernorte sind zu erhalten und zu stärken.  Aus ihrer Mitte sollte so auch verstärkt unterstützendes Personal gewonnen werden.
  • Für alle Lehramtsstudierenden im Master soll die Möglichkeit geschaffen werden, die Schulen personell zu unterstützen. Die dort geleistete Arbeit soll für das Praxissemester angerechnet werden.
  • Der Ausbau der IT-Infrastruktur mit Breitbandanschluss und WLAN muss in beschleunigtem Tempo erfolgen, bis dahin muss mobiles WLAN für alle Unterrichtsräumer zur Verfügung gestellt werden.
  • Das im digitalem Lernen Erreichte muss gesichert und ausgebaut werden. Lernplattformen sind auszubauen und für diese ist mehr Personal zur Verfügung zu stellen. Zusätzlich sind ständig datenschutzrechtlich gesicherte Positivlisten zu erstellen und zu erweitern.
  • Es braucht eine Fort- und Weiterbildungskampagne für digitales Lehren durch das LISUM, und die regionalen Fortbildungsstellen, auch in Zusammenarbeit mit den Hochschulen und Universitäten.
  • Kreative Lösungen unserer Schulen und schulautonome Entscheidungen müssen generell und insbesondere in Krisenzeiten rechtlich gesichert ermöglicht werden.
  • Bildung entsteht durch Lernen nicht durch Prüfen! Für das nächste Schuljahr sollen weiterhin Klassenarbeiten und Klausuren in Anzahl und zeitlichem Umfang reduziert werden können. Dafür ist Rechtssicherheit zu schaffen. In Krisenzeiten muss auch ein vollständiger Verzicht darauf möglich sein und die Zeugnisbewertung zum Jahres- bzw. Semesterende auf Basis der sonstigen Bewertung erfolgen können. Im kommenden Schuljahr können daher PISA- und VERA-Tests ausgesetzt werden.
Was muss der Bund leisten?
  • Einmalig Geld auszuschütten, reicht bei weitem nicht und baut auch keine Lernrückstände ab! Der Staat muss deshalb dauerhaft sicherstellen, dass in jedem Bundesland gleich gute inklusive Lernbedingungen herrschen. Deshalb: Weg mit dem Kooperationsverbot für die Bildung und Verantwortungsübernahme auch für entstehende Kosten durch den Bund!
  • Wenn es um Vergleichbarkeit und Chancengerechtigkeit in der Bildung geht, hat das föderale System ausgedient. Wir brauchen deshalb ein Bildungsrahmengesetz, welches gleiche Bildungsstandards für alle Bundesländer setzt.
  • Grundsätzlich muss der Bund Unterstützung leisten, um in den Schulen eine bessere Personalausstattung mit Lehrkräften, Erzieher:innen und Schulsozialarbeiter:innen, IT-Fachkräften, Schulpsycholog:innen, Schulgesundheitsfachkräften und zusätzlichem pädagogischem Personal sicherzustellen. Wir können nicht nur von multiprofessionellen Teams reden - wir müssen sie endlich ermöglichen!
  • Der Digitalpakt muss so erweitert und verlängert werden, dass daraus auch digitale Endgeräte und Whiteboards für alle Schulen und alle Kinder angeschafft werden können.

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