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Bibliotheken für alle

Fachtagung

iStock.com/bowdenimages

Am 10. Januar 2019 fand auf Einladung von Regina Kittler, kultur- und bildungspolitische Sprecherin, die dritte Veranstaltung der Linksfraktion Berlin zur Zukunft der Berliner Bibliotheken statt. 

Dieses Mal ging es unter dem Motto: „ich bibliotheke, du bibliothekst, wir bibliotheken!“ um die Entwicklungsperspektiven der Bibliotheken als Kulturinstitutionen für alle.

Im Kontext der Digitalisierung, des demografischen Wandels und der Anforderungen einer Einwanderungsgesellschaft haben sich Perspektive von und Ansprüche an Bibliotheken verändert. Ihre Aufgaben sind vielseitiger und anspruchsvoller geworden. Unter dem Schlagwort „Dritter Ort“ wandeln sich Bibliotheken von Wissens- und Bildungseinrichtungen zu Orten, die, neben diesen Kernaufgaben, frei zugänglich für Alle Austausch und Gemeinschaft ermöglichen wollen.

Neben dem klassischen Medienverleih bieten Bibliotheken heute Möglichkeiten des Mitmachens an, stellen freien Internetzugang zur Verfügung, berücksichtigen E-Book und Gaming-Angebote, kooperieren mit Schulen und Kindergärten und veranstalten Lesungen und Ausstellungen.

Vor welchen Herausforderungen die Bibliotheken in der nahen Zukunft stehen, was es bereits an Projekten und Kooperationen gibt und wie es um die konkreten räumlichen, finanziellen und Arbeitsanforderungen bestellt ist, wurde von den eingeladenen Sachkundigen in klaren Worten vorgetragen.

  • Dr. Torsten Wöhlert stellte in seinem Statement „Ansprüche und Perspektiven“ die Pläne zu einer Bibliotheksentwicklungsplanung vor. Noch vor dem neuen Doppelhaushalt sollen die konzeptionellen Überlegungen abgeschlossen sein.
  • Danilo Vetter, Leiter der Pankower Bibliotheken ging unter dem Titel „Horizonte erweitern“ der Frage nach, was in der Bibliothekswelt unter einem „Dritten Ort“ verstanden wird, was viele Bibliotheken bereits umgesetzt haben und wo noch Entwicklungsbedarf ist. Er hob hervor, dass durch Digitalisierungsmaßnahmen sowohl die Aufenthaltsqualität als auch die Nutzer*innen-Zahlen steigen würden und verwies darauf, dass Bibliotheken in ihrem Selbstverständnis keine Gastgeber, sondern Orte, welche der Öffentlichkeit zur Verfügung stünden, seien.
  • Die stellv. Vorsitzende des dbv, Kathrin Hartmann, erläuterte in ihrem Beitrag  „Hemmschwellen überwinden“ auf der Grundlage der Ergebnisse der sog. „Nicht-Nutzer-Studie“ des Deutschen Bibliotheksverbandes (dbv) von 2012 Gründe, warum aktuell Menschen Bibliotheken nicht besuchen und arbeitete heraus, wie durch erweiterte Öffnungszeiten, bessere digitale Angebote, eine angenehmere Aufenthaltsqualität und niedrigschwellige Angebote mehr Menschen für Bibliotheken zu begeistern wären.
  • Dr. Lea Hartung, Leiterin der Community-Projekte der Zentralen- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) stellte verschiedene Kooperationsprojekte der ZLB mit Community-Partner*innen vor und erläuterte welche Potenziale des  „Mitmachens und Gestaltens“ in einem partizipativen Ansatz liegen. Partizipation gelänge aber nur, wenn die Bibliotheken eine sichtbare Einladung zum Mitmachen nach außen kommunizieren würden.
  • Sehr eindrücklich schilderte Muhannad Qaiconie den Aufbau von „Baynatna“ der arabischen Bibliothek in der ZLB. Mit geringen Mitteln hat hier eine engagierte Gruppe von Menschen einen Ort, der zugleich Ausleihbibliothek, Kultursalon und Begegnungsort ist, geschaffen.

In der sich anschließenden Diskussion wurde hervorgehoben, dass die Berliner Bibliotheken mit ihren Beschäftigten schon längst auf dem Weg in die Zukunft sind. Um die Idee der Bibliothek für alle aber Realität werden zu lassen, braucht es eine fundierte Bibliotheksentwicklungsplanung mit generellen Standards und ausreichender Finanzierung. Dabei ist es wichtig, das Spannungsfeld zwischen grundlegenden Standards und den Bedürfnissen der ganz unterschiedlichen Communitys zu beachten. Um als „Dritter Ort“ funktionieren zu können, muss über räumliche Veränderungen, Aufenthaltsqualität, Öffnungszeiten (hier vor allem der Punkt: Sonntagsöffnung!) und eine adäquate digitale Ausstattung diskutiert werden.

Für Regina Kittler ist klar, dass Bibliotheken keine Orte sind, die nur FÜR Menschen Angebote bereithalten, sondern vor allem Orte, an denen Menschen gemeinsam einen öffentlichen Raum gestalten und nutzen. Um dies entsprechend umsetzen zu können, müssen die Rahmenbedingungen verbessert werden: das reicht von multifunktionalen Teams mit mehr und besser vergütetem Personal über ausreichend Räume und eine verbesserte Aufenthaltsqualität bis hin zu Barrierefreiheit und Zugänglichkeit für Alle. Und mit den Bezirksvertretern wollen wir gemeinsam über den Stellenwert von Bibliotheken in den Bezirken diskutieren. Wichtig hierbei: das Problem der in den Bezirken geltenden Kosten-Leistungs-Rechnung, in der aktuell eigentlich wünschenswerte Nutzungsarten schlecht bewertet werden.

 Am 27. März 2019 wird unsere vierte Fachtagung Bibliotheken im Abgeordnetenhaus stattfinden – diesmal zum Thema Schulbibliotheken – zu der wir wieder herzlich einladen.


Kontakt

Entwicklung eines Bibliothekskonzepts für Berlin

Antrag der Fraktion der SPD, der Fraktion Die Linke und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (pdf)