Kiezkantinen für Berlin!
Gutes Essen für 3 Euro. Für alle.
Berlin wird immer teurer. Lebensmittelpreise und Mieten steigen und für immer mehr Menschen wird selbst eine warme, gesunde Mahlzeit zur Kostenfrage. Das wollen wir ändern.
Wir wollen Kiezkantinen in ganz Berlin: öffentlich finanzierte Orte, an denen jede und jeder eine gesunde, warme Mahlzeit ab 3 Euro bekommt. Für ein Berlin, das für alle da ist.
So funktionieren die Kiezkantinen ↓
Eine warme Mahlzeit darf kein Luxus sein
Fast jedes vierte Kind in Berlin lebt in Armut. Viele Rentner:innen kommen mit ihrem Geld kaum über den Monat. Gleichzeitig sind die Preise für Lebensmittel in den vergangenen Jahren massiv gestiegen. Und das merken wir alle jeden Tag: beim Einkauf, im Restaurant und spätestens am Ende des Monats.
Während alles teurer wird, verschwinden gleichzeitig immer mehr günstige Kantinen und soziale Treffpunkte aus unseren Kiezen. Das wollen wir ändern.
Kiezkantinen kurz erklärt
Kiezkantinen sind öffentlich finanzierte Kantinen mitten im Kiez. Dort gibt es gesundes, frisches und leckeres Essen ab drei Euro unabhängig davon, wie viel jemand verdient.
Aber eine Kiezkantine ist mehr als ein günstiger Mittagstisch. Sie ist auch ein Ort, an dem man seine Nachbar:innen trifft, gemeinsam essen kann und nicht allein zu Hause sitzen muss.
Dort gibt es:
- warme Mahlzeiten ab 3 Euro
- gesundes und leckeres Essen
- frische, regionale und saisonale Lebensmittel
- faire und tarifliche Löhne für die Beschäftigten
- Räume zum Essen, Treffen und Zusammensein
Kiezkantinen sollen möglichst dort entstehen, wo bereits Räume vorhanden sind, zum Beispiel in Rathäusern, Stadtteilzentren, Nachbarschaftshäusern oder anderen öffentlichen Gebäuden. So machen wir aus leerstehenden oder wenig genutzten Räumen Orte für die ganze Nachbarschaft.
Wir wollen nicht jahrelang warten, bis die erste Kantine eröffnet. Deshalb soll das Programm Schritt für Schritt wachsen.
1. Bestehende Kantinen stärken
Es gibt bereits Nachbarschaftsküchen, Kantinen und soziale Einrichtungen, die günstiges Essen anbieten. Diese Strukturen wollen wir erhalten und ausbauen.
Wer eine Mahlzeit für drei Euro anbietet, für alle zugänglich ist und seine Beschäftigten tariflich bezahlt, soll öffentliche Unterstützung bekommen können.
2. Neue Kiezkantinen eröffnen
Danach sollen zusätzliche Standorte entstehen.
Dafür wollen wir vor allem Räume nutzen, die der Stadt bereits gehören, etwa leerstehende Küchen, Rathäuser oder andere öffentliche Gebäude.
Der Betrieb kann zum Beispiel von sozialen Trägern, Inklusionsbetrieben, Gastronomiebetrieben oder anderen geeigneten Betreiber:innen übernommen werden.
3. Kiezkantinen werden Teil der öffentlichen Infrastruktur
Langfristig sollen Kiezkantinen genauso selbstverständlich zu Berlin gehören wie Bibliotheken, Schwimmbäder oder öffentliche Verkehrsmittel.
Deshalb wollen wir ein öffentliches Berliner Unternehmen schaffen, das Kiezkantinen selbst betreiben und neue Standorte eröffnen kann.
Denn gutes und bezahlbares Essen gehört für uns zur öffentlichen Daseinsvorsorge.
Gegen Armut
Wenn das Geld knapp ist, wird häufig zuerst beim Essen gespart.
Wir wollen, dass niemand überlegen muss, ob am Monatsende noch genug Geld für eine warme und gesunde Mahlzeit da ist.
In Berlin lebt fast jedes vierte Kind in Armut. Die Armutsgefährdungsquote liegt in Berlin bei 19,1 Prozent - besonders hoch in Neukölln (29,4 Prozent). Besonders betroffen von „Ernährungsarmut“ sind Menschen im Transferleistungsbezug. Kein Wunder: Das Bürgergeld sieht lediglich ca. 6,50 Euro am Tag für Lebensmittel vor. Doch anstatt sicherzustellen, dass alle Menschen in Deutschland sich ausgewogen ernähren können, kürzt die Bundesregierung immer weiter. Es bleiben nur noch Notlösungen aus der Zivilgesellschaft wie die Tafeln – doch die sind schon jetzt völlig überlastet.
Gegen Einsamkeit
Mehr als die Hälfte der Berliner:innen lebt allein. Laut einer aktuellen Studie fühlen sich 14 Prozent der Berliner*innen manchmal oder häufig einsam. Weitere 43 Prozent kennen dieses Gefühl. Besonders ältere Menschen sind häufig von Armut betroffen. Mehr als jede:r dritte Rentner:in bekommt eine Rente unterhalb der Armutsgrenze. Wer wenig Geld hat, kann sich viele Freizeitangebote oder gemeinsame Aktivitäten kaum leisten.
Deshalb braucht Berlin mehr öffentliche Orte, an denen Menschen zusammenkommen können, unabhängig davon, wie viel Geld sie haben. Solche Orte helfen gegen Einsamkeit und stärken den Zusammenhalt in unserer Stadt. Kiezkantinen schaffen genau solche Räume.
Für lebendige Kieze
Eine Stadt besteht nicht nur aus Wohnungen, Büros und Geschäften. Sie braucht Orte, die allen gehören, unabhängig vom Geldbeutel. Unsere Kiezkantinen sollen solche Orte sein: essen, reden, Leute treffen und gemeinsam Zeit verbringen. Wer in den Kiezkantinen isst, soll sich auch an ihrer Gestaltung beteiligen können und zum Beispiel über die Gerichte mitentscheiden dürfen, die angeboten werden. Vor allem sollen die Kantinen aber auch als öffentliche Räume von der Berliner Zivilgesellschaft genutzt werden können, ob migrantische Vereine, Mieter:innen-Initiativen oder feministische Nachbarschafts-Cafés. In einer Zeit, in der Vereinzelung und Einsamkeit den Rechtsruck der Gesellschaft antreibt, sind solche Räume wichtiger denn je.
Für die Region
Die Kantinen sollen möglichst viele regionale, saisonale und ökologisch produzierte Lebensmittel verwenden. Große und verlässliche Abnahmemengen können gleichzeitig Landwirt:innenund Produzent:innen aus Berlin und Brandenburg stärken. Wir wollen sicherstellen, dass alle Menschen in Berlin sich frische und leckere Lebensmittel leisten können und gleichzeitig diejenigen gerecht entlohnt werden, die diese Lebensmittel in harter Arbeit produzieren.
Für den Aufbau und Betrieb der Kiezkantinen wollen wir 19 Millionen Euro jährlich bereitstellen. Damit wollen wir ein Netz von insgesamt rund 20 Kiezkantinen aufbauen und perspektivisch bis zu 14.000 günstige Mahlzeiten am Tag ermöglichen.
Das Kiezkantinen-Budget von 19 Millionen würde mit lediglich 0,05 Prozent einen sehr kleinen Teil des Berliner Haushalts ausmachen. Zum Vergleich: Ungefähr diese Summe geben allein die Bezirke Pankow, Steglitz-Zehlendorf und Spandau im Jahr für den Erhalt von Straßen aus. Die Förderung einer einzelnen Jugendherberge am Ostkreuz durch den Verzicht auf Erhebung einer Pacht kostet das Land Berlin über 27 Millionen Euro. Und der Bau von nur 3 Kilometern der Autobahn A100 zwischen Neukölln und Treptow kostete (den Bundeshaushalt) zuletzt 720 Millionen Euro. Verglichen damit sind die Ausgaben für den Aufbau und Betrieb von Kiezkantinen eine relativ kleine Summe, die zudem gerade den Berlinerinnen und Berlinern direkt und spürbar zugute kommt, die sonst eher zu kurz kommen.
Für uns stellt sich nicht die Frage, ob Berlin sich soziale Infrastruktur leisten kann.
Sondern was es unsere Stadt kostet, wenn sich immer mehr Menschen gutes Essen und gesellschaftliche Teilhabe nicht mehr leisten können.






