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"Wie schaffen und erhalten wir Arbeitsräume für Künstler*innen - Chancen und Möglichkeiten!"

Ein gemeinsames Fachgespräch der Berliner Links- und Grünenfraktion

  • Wann: Dienstag, 24. März 2026, 18-20.30 Uhr
  • Wo: Abgeordnetenhaus von Berlin, Niederkirchnerstraße 5, 10117 Berlin, Raum 113

Mit Dr. Manuela Schmidt, MdA für die Linksfraktion und Daniela Billig, MdA für die Grünen-Fraktion und Inputs von:

  • Sonja Schaudt, Projektleiterin Koordinationsstelle für Proben- und Aufführungsräume
  • Philipp Strohm, Geschäftsführer GSE gGmbH
  • Lennart Siebert, Atelierbeauftragter Berlin
  • Annette Maechtel, Kuratorin, Kunst- und Kulturwissenschaftlerin
  • Laura Raber, Kulturraum Berlin gGmbH

Mit dem Nachtragshaushalt 2024 und dem Doppelhaushalt 2026/27 sind das Arbeitsraumprogramm für freischaffende Künstlerinnen und Künstler und die Räume für Amateurkunst in Gefahr geraten. Die Koalition hatte bereits 2025 angekündigt, sich nur noch um die Sicherung bestehender Arbeitsräume kümmern zu wollen und den Bestand an Arbeits- und Atelierräumen für die Freie Szene nicht zu erweitern, weil dafür kein finanzieller Spielraum sei. Aber auch der Bestand ist durch auslaufende Mietverträge, Einschränkung des Handlungsspielraums der Generalmieter*innen und andere Prioritätensetzung gefährdet. Gleichzeitig drohen den Künstler*innen steigende Mieten, obwohl sie dringend auf niedrige Kosten für ihre Arbeitsräume angewiesen sind. 
Gegenwärtig ist die hauptsächliche Aufgabe, bestehende Übungs-, Proben-, Atelier- und Präsentationsräume zu erhalten, Verluste zu verhindern und Härten abzumildern. Aber diese Gegenwart kann nicht befriedigen, denn es mangelt in Berlin an Räumen für freischaffende Künstler:innen, Amateurensembles, die Freie Szene, um jene Arbeit zu leisten, die Voraussetzung dafür ist, dass Berlin den Namen Kulturhauptstadt verdient. 

„Es geht“, so Manuela Schmidt, „um den Ausbau, die Nutzung von Räumen im eigenen Bestand, die Kooperation mit Genossenschaften und Kommunalen Wohnungsbaugesellschaften, um die Planung neuer Stadtquartiere und das Mitdenken von Kulturräumen, die Nutzung leerstehender Immobilien, das Thema Mehrfachnutzung.“ 
Daniela Billig betonte zu Beginn des Fachgesprächs: „Es soll hier nicht nur um Vergewisserung der schlechten Ausgangslage gehen, die wir alle leider zur Genüge kennen, sondern um Strategien und Handlungsoptionen. Darum, welche Aufgaben die Politik hat und wie es gelingen kann, alle Expertisen und Verantwortlichen verlässlich und verstetigt an einen Tisch zu bekommen.“

Was bisher geschah
Grundlage für die Diskussion der rund 80 Teilnehmenden waren fünf Inputs. Den Start machte Sonja Schaudt, Projektleiterin der Koordinationsstelle für Proben- und Aufführungsräume beim Landesmusikrat, die sich seit Jahren mit dem Thema Mehrfachnutzung beschäftigt. Ein mühevolles Unterfangen, wie die meisten Teilnehmenden wissen. In Berlin machen 38 Prozent der über 14-Jährigen Amateurmusik. Dafür brauchen sie Raum. Es gebe viel ungehobenes Potenzial in Schulen, Bezirksämtern, Verwaltungsgebäuden, Bibliotheken. Dazu käme, dass jeder Bezirk eine andereEntgelt-Nutzungsordnung habe und Modellprojekte oft nicht ausreichend Nachahmer fänden. Das sei verschenktes Potenzial. 

Philipp Strohm, Geschäftsführer der GSE gGmbH und Frauke Witzler, Prokuristin und zuständig für das Arbeitsraumprogramm unterbreiteten Vorschläge für die Sicherung und den Ausbau des Programms. Es bräuchte eine Rücknahme der Kürzungen, bedarfsgerechte Förderrichtlinien, die Aufnahme von Atelierwohnungen in die Wohnraumförderbestimmungen, die Unterstützung von Projekten wie „Runder Tisch Arbeitsräume für Kultur & Co“, transparente ARP-Strukturen. Die GSE ist als Serviceagentur und Zuwendungsempfängerin für die Bewirtschaftung von aktuell 41 Standorten und rund 800 Räumen zuständig. Im Februar 2027 endet der Rahmenvertrag, der regelt, dass die GSE als Immobiliendienstleisterin der Kulturraum Berlin gGmbH (KRB) fungiert. Die Zukunft der KRB sei seit Ende 2024 seitens der Politik infrage gestellt. Der aktuelle Befund sagt: Überbordender Abstimmungsbedarf, fehlende Steuerung und Transparenz seitens der Kulturverwaltung, fehlendes Monitoring, Einsparungen in den Zuwendungen, die zudem jährlich beantragt werden, was dem Ziel langfristiger Mietverträge im Sinne kostengünstiger Mieten entgegensteht. 

Der Atelierbeauftragte Lennart Siebert verwies auf die Erfolge von 33 Jahren Atelierförderung: 68 Häuser, 1100 Räume, weltweit einzigartig. Während 2024 noch 24.173.000 Euro für das ARP eingestellt waren, sind es 2026 nur noch 20.946.000 und im kommenden Jahr mehr als eine Million Euro weniger. Noch stärker sinken die Zuschüsse für den Ausbau von Arbeitsräumen, von 21.350.000 im Jahr 2025 auf 225.000 im Jahr 2027. Die Folgen werden gravierend sein. Steigende Fördermieten, Absenkung des Förderbedarfs, schlechtere Arbeitsbedingungen, rund 90 Prozent der Künstler*innen würden sich einen Arbeitsraum dann nicht mehr leisten können. 

Die Kuratorin und Kunstwissenschaftlerin Annette Maechtel verwies darauf, dass Künstler*innen bereits die Stadt verlassen, weil ihnen die Arbeitsgrundlage entzogen ist, wenn sie sich Arbeitsräume, Räume für Präsentation ihrer Kunst nicht mehr leisten können. Die unkontrollierbare Situation bei den Gewerbemieten verschärfe die Situation. Es brauche – der Vorschlag bekam spontanen Beifall – unter anderem Bebauungspläne, in die kulturelle Nutzungen eingeschrieben sind.

Daniel Brunet, Atelierbüro und Landesverband Freie und Darstellende Künste (LAFT), sprach über die rund 50.000 Künstler*innen verschiedener Sparten, von denen viele mit steigenden Kosten zu kämpfen hätten. Und appellierte, dass hier nur ein sehr großer Zusammenschluss gegensteuern könne. Beifall für sein Statement, er finde es skandalös, dass der Kulturhaushalt bei knapp zwei Prozent des Gesamthaushaltes liege und es keine sichtbaren Bemühungen gebe, Einnahmequellen wie die City-Tax für die Kultur zu nutzen. Das Raumbüro Freie Szene habe eine Kürzung von 23 Prozent der sowieso knappen Mittel verkraften müssen und stütze sich zum größten Teil auf Ehrenamt.

Was geschehen muss
Die anschließende Diskussion drehte sich vor allem um die Frage, was nun, aber auch über die Legislatur hinaus, geboten und möglich wäre, um die eher schwierige Ausgangslage zu verbessern.
Beide Abgeordnete betonten erneut, dass ein Runder Tisch Arbeitsräume für die Kultur nach dem Vorbild des Runden Tisches Liegenschaftspolitik gebraucht wird. Ein verstetigtes Format, bei dem Künstler*innen und deren Interessensvertreter*innen, KRB, GSE, BIM, Senatsverwaltungen und die parlamentarische Ebene gemeinsam nach Wegen und Lösungen suchen, sei geeignet, Verbindlichkeit zu schaffen und in die Zukunft zu handeln. Mehrfachnutzungen von Schulen und anderen Häusern der öffentlichen Hand sollten die Regel und Standard, nicht länger die Ausnahme sein. Bauherren müssten eingebunden werden, wenn es darum ginge, bei neuen Stadtquartieren und anderen Neubauten Räume für Kultur mitzuplanen. Da es gegenwärtig kaum verwaltungsübergreifende Lösungen gebe, erinnere er, so Lennart Siebert, noch einmal an den Stadtentwicklungsplan Kultur (STEP Kultur).
Manuela Schmidt schrieb der Politik vor und nach der Landtagswahl ins Aufgabenheft, Förderlogik Vergaberecht und Zuwendungsrecht im Sinne größerer Transparenz, Klarheit und Vereinfachung zu reformieren. „Wir brauchen Festbedarfsfinanzierung statt Fehlbedarfsfinanzierung und wir müssen das Problem mit den Verpflichtungsermächtigungen lösen, denn ohne die lassen sich langfristige Mietverträge nicht abschließen und neue Räume nicht erschließen.“

Gewerbemieten seien Bundesrecht, führte Daniela Billig aus, aber es läge auch in der Verantwortung einer Landesregierung, sich hier auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass den galoppierenden Mieten in Metropolen, wie Berlin, etwas entgegengesetzt würde. 

Großen Beifall fand der Vorschlag aus dem Plenum, eine Leerstandssteuer einzuführen, schließlich stünden in Berlin 1,8 Millionen Quadratmeter Bürofläche leer. 
Noch vor der Sommerpause wird die Initiative „Runder Tisch Räume für Kultur“ erneut zusammenkommen. Eine gute Gelegenheit, weiter an solidarischer Vernetzung zu arbeiten. Und hoffentlich auch bald ein klares Bekenntnis der Politik zu einer solchen Einrichtung. 
 

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