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„Gesundheitsexperten“ gefährden Menschenleben

Zur Debatte um die Schließung von Krankenhäusern erklärt der gesundheitspolitische Sprecher der Linksfraktion Berlin Dr. Wolfgang Albers:

Nicht durch die Versorgung in kleinen Krankenhäuser werden Menschenleben gefährdet, sondern durch eine Elfenbeinturm-Debatte über die Schließung dieser Häuser in der Fläche.

Es ist absurd, während vielerorts die kassenärztlichen Vereinigungen ihrem Versorgungsauftrag kaum mehr nachkommen können und die zeit- und wohnortnahe ambulante medizinische Versorgung in der Fläche zunehmend gefährdet ist, fabulieren „Experten“ der Bertelsmann-Stiftung über die Schließung fast der Hälfte der bestehenden Krankenhäuser. Angeblich sei nur so eine zukunftsfähige Krankenhausversorgung zu gewährleisten. Zudem ließen sich nur so viele Komplikationen und Todesfälle vermeiden, weil „kleine“ Krankenhäuser angeblich nicht über die notwendige Ausstattung und die entsprechende medizinische Erfahrung verfügten. Abgesehen davon, dass eine solche Argumentation einen ungeheuren Affront gegen alle darstellt, die 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr die gesundheitliche Versorgung der Menschen in diesem Land zum Teil auch unter widrigsten Umständen auf hohem Niveau gewährleisten, ist sie auch unverantwortlich, weil sie die Patienten auf unseriöse Weise unnötig verunsichert.

Diese sogenannten „kleinen“ Krankenhäuser sind Bestandteil eines engen und trotz aller politischen Widrigkeiten noch gut funktionierenden Versorgungssystems und für die Grund- und Notfallversorgung unverzichtbar. Jahrelang sind diese Kliniken unzureichend finanziert worden. Öffentliche Investitionen wurden nicht in ausreichendem Maße getätigt und das System der Fallpauschalen zwang die Häuser im Kampf um die niedrigsten Kosten zu einer restriktiven Personalpolitik.

Die Studie argumentiert, schnelle Erreichbarkeit einer Klinik sei kein Vorteil, wenn kein entsprechender Facharzt zur Verfügung stehe. Aber nicht jeder Patient braucht eine aufwändige Spezialbehandlung und nicht jeder Patient muss zur Diagnosefindung durch das modernste MRT geschleust werden. Gegen jede medizinische Vernunft nehmen die „Experten“ der Bertelsmann-Stiftung auch weitere Verlängerungen der Transportzeiten von 30 Minuten zum Beispiel für Schlaganfall- oder Herzinfarktpatienten in Kauf. Es gilt solche Transportzeiten durch einen adäquaten Ausbau der vorhandenen Versorgungsstrukturen weiter zu verkürzen und nicht sie zu Lasten der betroffenen Patienten auszudehnen. Der Spezialist nützt dem Patienten nichts, wenn er ihn in infaustem Zustand zu spät erreicht.

Wir brauchen eine Verdichtung der qualifizierten stationären Versorgung und keine weitere Ausdünnung. Auch angesichts der zunehmend fehlenden ambulanten Versorgungsstrukturen in weiten Regionen und selbst am Rande der großen Städte sind solche Konzepte unverantwortlich, zumal hier eine Lösung auch dauerhaft nicht in Sicht ist. In dieser Situation kommt den regionalen Krankenhäusern zunehmend Bedeutung zu. Es gilt, sie mit entsprechenden Ressourcen auszustatten und durch die Einrichtung von Tagespraxen auch für die ambulante Versorgung zu öffnen, statt über ihre Schließung zu fabulieren.

Letztlich braucht man in einer zunehmend alternden Gesellschaft kurze Wege auch in die Krankenhäuser. Alte Patienten haben alte Angehörige und deshalb bleibt eine wohnortnahe Versorgung essentiell. Offensichtlich soll durch die Studie die weitere Konzentration der Krankenhauslandschaft im Interesse der großen privaten Krankenhauskonzerne vorangetrieben werden, die heute schon zweistellige Renditen aus dem Geschäft mit der Krankheit erzielen und dem Gesundheitssystem so dringend notwendige Gelder entziehen.

Krankenhäuser sind aber keine Elemente der Marktwirtschaft, sondern müssen Einrichtungen der sozialen Daseinsvorsorge bleiben. Es gilt, sie zu erhalten und in der Fläche zukunftsfähig zu machen. Hier liegt die politische Herausforderung.


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